Der berühmte Dr. Heim aus Solz

von Tobias Fuhrmann

luftbild-solz_webZwischen Werratal und Rhön liegen viele schöne und beschauliche Ortschaften. Einige sind so beschaulich, dass sie mittlerweile kaum noch auf einer Landkarte erscheinen oder — wie könnte es in Zeiten des demografischen Wandels und knapper Staatskassen anders sein? — eingemeindet werden. Solz ist eine davon.  Als Ortsteil von Rippershausen und zum zehn Kilometer östlich liegenden Meiningen gehörend, liegt es direkt vor der Rhön. Es ist ein ausgesprochen schöner Flecken Erde, meine Heimat. Und während das Dorf mit der Abwanderung ringt, Straßenzüge neu ordnet und Namen neu vergibt, wird immer öfter seine Geschichte hervorgeholt, die weit mehr zu bieten hat, als man meint. 1160 wird Solz erstmals urkundlich erwähnt und die Kirchenchronik beschreibt, dass die erste Solzer Dorfkirche wohl mehr als 1.000 Jahre alt ist. Im Verlauf der letzten Jahrhunderte hat eine Familie im Besonderen Solz geprägt: Die Familie Heim.

Allein ab 1740 waren 200 Jahre lang (mit Unterbrechung) vier Vertreter dieser Pfarrers- und Beamtenfamilie Seelenhirten im Ort. Ihre familiären Verbindungen in der Region reichten in nahezu jedes Amt. Bürgermeister in Meiningen, Prinzenerzieher an fürstlichen und königlichen Häusern; sogar Kontakte zu den Familien von Schenk, von Treskow, von Armin und von Bismarck knüpften die Heims direkt oder durch Heirat. Eine wichtige Rolle spielt dabei der berühmteste Solzer Sohn,  der beliebte Mediziner, eifrige Helfer, Privatlehrer und Gutmensch: Ernst Ludwig Heim.

Von Solz über Halle nach Berlin

50-Pfennig-Briefmarke zum 150. Todestag von Ernst Ludwig Heim. Quelle: Wikimedia Commons

50-Pfennig-Briefmarke zum 150. Todestag von Ernst Ludwig Heim. Quelle: Wikimedia Commons

1747 wurde er in Solz als Sohn des Magisters Johann Ludwig Heim geboren. Mit 19 Jahren zog er nach Halle/Saale zum Studium und wurde hier genauso wie später in Spandau bekannt für seine Fürsorge und exzellente Heilkunst. Er trug den Namen Heim bis nach Berlin, wo er am Gendarmenmarkt in der Nähe des Deutschen Dom eine Praxis eröffnete. „Gesund allein macht Doktor Heim“ – das war sein Markenzeichen. Bald erhielt er Einladungen, bekannte Persönlichkeiten seiner Zeit zu behandeln; sogar die Königin der Niederlande soll von ihm angetan gewesen sein. Es wird berichtet, dass ein Offizier seine Sprechstunde besuchte und Dr. Heim ehrlich und spitzzüngig feststellte: „Husten kommt entweder aus der Lunge oder er kommt vom Saufen. Aus der Lunge kommt Ihr Husten aber nicht.“

Mit dieser Klarheit, Einfachheit und Ehrlichkeit gewann er nicht nur die Herzen der Oberschicht. Immer mehr Arme besuchten seine Sprechstunden, die er nun eigens als „Morgenklinikum“ von 6 bis 8 Uhr durchführte. Pro Woche soll Dr. Heim bis zu 80 Patienten unentgeltlich behandelt haben. Dafür liebte ihn die Bevölkerung wie kaum einen anderen Mediziner. Er genoss das Ansehen der Oberschicht, sodass sogar Alexander von Humboldt einer seiner Schüler wurde. Durch seine Aufrichtigkeit und Uneigennützigkeit war er ebenso bei den einfachen Menschen beliebt. Wahrscheinlich war er für Berlin das, was August Herman Francke für Halle oder vielleicht sogar  Mutter Theresa für Kalkuttta war.

dr-ernst-ludwig-heim-str_webSolz hat nunmehr zum Jahres wechsel 2013–2014 und im 180. Todesjahr Heims die ehemalige Dorfstraße nach seinem berühmten Sohn benannt: Dr.-Ernst-Ludwig-Heim-Straße. Sie ehrt ihren Sprössling zu Recht, denn mit dem Wandel der Zeit und den einhergehenden Herausforderungen wird immer wieder auch die Geschichte neu behandelt. Der exzellente Ruf Dr. Ernst Ludwig Heims als Arzt und als ehrenwerter Mensch sprechen für seine Ehrung in seinem Geburtsort. Solz kann stolz sein, dass die Familie Heim ein so kostbares Erbe hinterlassen hat.

Zum Weiterlesen:

Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Bad Langensalza: Verlag Rockstuhl 2010, 490 Seiten, 29,90 €, ISBN 978-3867772020. Dieser Publikation ist die Angabe zur urkundlichen Erwähnung von Solz entnommen ( S. 266).

Hannelore Schneider: Fruchtbar nicht nur im Geist. In: Heimat-Klänge, September 2001. Aus diesem Artikel stammen die Informationen zu den persönlichen Beziehungen Heims zu den Größen seiner Zeit.

Ernst Ludwig Heim: Tagebücher und Erinnerungen. Ausgewählt, mit einem Vorwort versehen und  hrsg. von Wolfram Körner, Leipzig: Koehler & Amelang   1989, 407 Seiten, antiquarisch ab ca. 3 €, ISBN 978-3733800376. Das Zitat Heims zum Offiziershusten entstammt dieser Ausgabe.

Zum Autor: Tobias Fuhrmann (*1986) hat Physik und Volkswirtschaftslehre in Kiel, München und New York studiert. Die Heimat Solz im grünen Herzen Deutschlands vermisst er immer wieder; sein geliebtes Zuhause ist zur Zeit die bayrische Landeshauptstadt München.


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