Neues über die Weimarer Republik und was wir daraus lernen können

Forscher der Universität Jena veröffentlichen erste Forschungsergebnisse

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Wenn wir an Weimar denken, fallen uns nicht nur kulturelle Größen der Klassik ein wie Goethe und Schiller und nicht nur die revolutionären Errungenschaften des Bauhaus. Wenn wir an Weimar denken, müssen wir auch an die dunklen Seiten der deutschen Geschichte erinnern, an das Konzentrationslager Buchenwald und an die unrühmliche Rolle der Weimarer Republik zwischen 1919 und 1933. Unrühmlich? Dieses Bild haben Forscher der Friedrich-Schiller-Universität Jena genauer unter die Lupe genommen und jetzt erste Ergebnisse vorgelegt. Mehr

Die Macht der Bilder – Die Buchenwaldikone in der Analyse

von Sarah Ullrich

April 1945 – amerikanische Truppen erreichen die Stadt Weimar. Im benachbarten Konzentrationslager Buchenwald sollte das Lager zu Beginn des Monats komplett geräumt werden. Im Laufe der achtjährigen Bestandszeit gelang es politischen Gefangenen, meist Kommunisten unterschiedlicher Nationalität, eine illegale Widerstandsorganisation aufzubauen, das Illegale Lagerkomitee. Diesem gelang es mit dem Luftangriff auf Buchenwald wenige Monate zuvor, Waffen aus dem daneben liegenden Gustloffwerk, einer ab 1943 entstandenen Waffen- und Munitionsfabrik, ins Lager zu schmuggeln und zu verstecken. Mit den Transporten Anfang April 1945 von Buchenwald in andere noch nicht befreite Konzentrationslager des Deutschen Reichsgebietes, sollte Buchenwald vor dem Eintreffen der Alliierten geräumt werden. Das Illegale Lagerkomitee rief zum Boykott auf, spielte auf Zeit; weil die US amerikanischen Truppen bereits vor Erfurt standen und auf dem Ettersberg das Frontgefeuer zu hören war. Schlussendlich gelang es der SS nicht mehr, alle im Lager inhaftierten Menschen aus Buchenwald zu bringen, sodass etwa 21000 Menschen die Befreiung erlebten. Dennoch griffen die Inhaftierten nicht zu den Waffen, aus Angst vor einem letzten Massaker seitens der SS. Mit den Räumungstransporten und dem Abziehen des Kommandanturstabes am Morgen des 11. April 1945 verblieben nur noch wenige Angehörige des Wachmannschaften im Lager. Am Vormittag des 11. April 1945, mit dem Sichten erster amerikanischer Panzer in der Umgebung des Lagers, fällt die Entscheidung: Das Illegale Lagerkomitee ruft zum bewaffneten Widerstand auf, die letzten Angehörigen der SS werden gefangen gesetzt, das Komitee übernimmt kurzzeitig die Verwaltung des Lagers bis es an die eintreffenden US amerikanischen Truppen übergeben werden kann. Diese beginnen sich um die Überlebenden zu kümmern und die vorgefundenen Zustände zu dokumentieren. In diesem Zusammenhang entstand auch das hier besprochene Bild, am 16. April 1945. Mehr

Thüringer Freimaurerlogen und ihre Bibliotheken

von Johannes Mangei

Exemplar der Veröffentlichung „Gründliche Nachricht von den Freymaurern“ (Frankfurt, 1740) mit noch nicht identifiziertem Stempel

Exemplar der Veröffentlichung „Gründliche Nachricht von den Freymaurern“ (Frankfurt, 1740) mit noch nicht identifiziertem Stempel

Noch heute wird in der Freimaurerei gelegentlich ein rätselhafter Geheimbund gesehen, der mit Verschwörungstheorien und unzutreffenden Darstellungen aus Hollywood-Filmen in Verbindung gebracht wird. Tatsächlich handelt es sich um eine friedliche, humanitäre Gesellschaft, die Ideale wie „Mäßigkeit“ und „Barmherzigkeit“ zu ihren Tugenden zählt. Mehr

Die Wiederbeschaffung von Büchern für die Herzogin Anna Amalia Bibliothek

Ein Zwischenbericht zum 10. Jahrestag des Brandes

von Katja Lorenz

Rokokosaal in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek (© Klassik Stiftung Weimar, Foto: Maik Schuck)

Am 2. September 2004 verbrannten in der Weimarer Herzogin Anna Amalia Bibliothek 50.000 Bücher, die auf der ehemaligen Zweiten Galerie des Rokokosaals untergebracht waren. Weitere 25.000 stark verkohlte Buchblöcke und Fragmente wurden aus dem Brandschutt geborgen und im Leipziger Zentrum für Bucherhaltung gefriergetrocknet. Diese sogenannten ‚Aschebücher‘ werden seit 2009 gesichtet, identifiziert und in einer Spezialwerkstatt für brandgeschädigtes Schriftgut restauriert. Mehr

Der berühmte Dr. Heim aus Solz

von Tobias Fuhrmann

luftbild-solz_webZwischen Werratal und Rhön liegen viele schöne und beschauliche Ortschaften. Einige sind so beschaulich, dass sie mittlerweile kaum noch auf einer Landkarte erscheinen oder — wie könnte es in Zeiten des demografischen Wandels und knapper Staatskassen anders sein? — eingemeindet werden. Solz ist eine davon.  Mehr

„Hätten Sie nicht Lust, sich hier auf dem Thüringer Wald einmal umzusehen?“

Johannes Brahms auf Schloss Altenstein

von Renate und Kurt Hofmann

Johannes Brahms im Park des Arenberg-Palais in Wien sitzend (Fotografie von Maria Fellinger, 1. Mai 1895)

Johannes Brahms im Park des Arenberg-Palais in Wien sitzend (Fotografie von Maria Fellinger, 1. Mai 1895)

„Hätten Sie nicht Lust, sich hier auf dem Thüringer Wald einmal umzusehen? Wenn Sie die Hirsche schreien hören könnten, das wäre etwas für Sie! Freilich hören sie schon mit Mitte dieses Monats auf zu brüllen wie die Löwen, und wenn wir Sie auch für unser Leben gern so lange hier hätten, so werden Sie so lange nicht kommen mögen, obgleich ich nicht einsehe, warum Sie nicht ebenso gut hier zu Hause sein, hier ungestört, ja noch viel ungestörter sollten componiren, lesen, schreiben können, wie in Wien, und wandern könnten Sie hier doch noch ganz anders!!“ Mehr

Die Einheit der Schrift begann in Schleiz

Das Rutheneum als Geburtsstätte des DUDEN

von Juergen K. Klimpke

Konrad Duden zu seiner Schleizer Zeit (Zeichnung: Arthur Viertel)

Konrad Duden zu seiner Schleizer Zeit (Zeichnung: Arthur Viertel)

„Auf dem Gebiete der deutschen Rechtschreibung herrscht augenblicklich ein unerquicklicher und namentlich für die zum Lehren Berufenen unbefriedigender Übergangszustand. Seitdem man vom Baume der Erkenntnis gegessen hat und auf die Mängel der überlieferten Rechtschreibung aufmerksam geworden ist, hat die harmlose Unbefangenheit im Gebrauch des Alten aufgehört, und doch gibt es noch kein Neues, das sich an dessen Stelle hätte setzen können.“ Mehr

„Wer hat, sollte geben“

Eine Würdigung anlässlich der Verleihung der „Sebastian-Lucius-Medaille”

von Robert von Lucius

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Foto: Johann-Adrian v. Lucius

ERFURT – Die Industrie- und Handelskammer Erfurt hat eine „Sebastian-Lucius-Medaille“ geschaffen, benannt nach ihrem Gründungspräsidenten. Damit will sie Menschen auszeichnen, die sich um die Wirtschaft in Thüringen verdient gemacht haben. Der Kammerpräsident Dieter Bauhaus sagte bei der ersten Verleihung am 19. September 2013 im Anschluss an die Vollversammlung der Kammer, Sebastian Lucius verkörpere „wie kein anderer“ den ehrenwerten Kaufmann. Die erste Medaille verlieh die Kammer an den FAZ-Journalisten und Ururenkel des Namensgebers, auch stellvertretend für die gesamte Familie Lucius, die – so Bauhaus – „mit ihrem deutschlandweiten Wirken den Wirtschaftsstandort Thüringen über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht“ habe. Robert von Lucius – Mitglied der Gesellschaft Kulturerbe Thüringen – würdigte vor der Verleihung Sebastian Lucius und die Familie. Damit vervollständigt von Lucius das Bild einer verdienstvollen Familie, das er vor zweieinhalb Jahren in dem bis heute vielbeachteten Artikel „Non dormire“ zu zeichnen begonnen hat. Mehr

Das Thüringische Wörterbuch

Das Kulturgut der Dialekte und Regionalsprachen in Thüringen

von Maximilian Gränitz

Die Dialektgebiete im Arbeitsgebiet des Thüringischen Wörterbuches (Quelle: Arbeitsstelle Thüringische Dialektforschung)

Die Dialektgebiete im Arbeitsgebiet des Thüringischen Wörterbuches (Quelle: Arbeitsstelle Thüringische Dialektforschung)

Wenn sich in diesem Jahr am 25. Oktober der Freistaat Thüringen die Ehre zum 20. Jahrestag der Verfassung gibt, so denkt der Thüringer unweigerlich an seine Vergangenheit. Für lange Zeit in Kleinstaaterei lebend, sucht er doch nach Eigenschaften, die ihn auszeichnen. Die Thüringer in ihrer „multilateralen“ Geschichte pflegen auch nach der politischen Wende ihre Traditionen und wollen ihre Eigenheiten nicht so einfach einer nun gemeinsamen, thüringischen Geschichte unterordnen. So auch in den Dialekten und Regionalsprachen. Auch über die Grenzen hinaus spricht man Nord-, Nordost- oder Ostthüringisch; im Süden beeinflusst der fränkische Sprachraum die Dialekte bis zum Rennsteig.

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Wiederentdeckt – Erasmus Reinhold d.Ä.

Zeitgenosse der Reformatoren. Interpret des heliozentrischen Weltbildes

von Maximilian Gränitz

Prutenicae Tabulae Coelestium Motuum (Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Astron.296; http://digital.slub-dresden.de/id273850342)

Erasmus Reinhold: „Preußische Tafeln“ 1551 (Titelblatt des Ex. der SLUB Dresden; Sign.: Astron.296, Digitale Sammlg.)

Vielen interessierten Mathematikern und Astronomen ist der 1511 in Saalfeld geborene Erasmus Reinhold ein Begriff. Seit 1530 studierte er an der Universität Wittenberg und wurde 1535 Magister der sieben freien Künste. Er identifizierte und beschrieb eine große Anzahl von Sternen.

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„ … und eh man wehren kann, ist unser Kopf des Herzens nicht mehr mächtig.“

Zum 200. Todestag des Wortkünstlers und „felix aestheticus“ Christoph Martin Wieland

von Maximilian Gränitz

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Christoph Martin Wieland (1733–1813), Porträt von F. Jagemann (Public Domain)

„So sehr auch jederzeit sein Blick auf das Irdische, auf die Erkenntnis, die Benutzung desselben gerichtet schien — des Außerweltlichen, des Übersinnlichen konnte er doch, als ein vorzüglich begabter Mann, keineswegs entbehren.“

Johann Wolfgang von Goethes Rede in der Trauerloge „Amalia“ in Weimar feiert den Ältesten des klassischen Viergestirns von Weimar als einen sinnlichen und tüchtigen Schriftsteller. 1733 im schwäbischen Biberach geboren, schrieb er in der Kindheit erste lateinische und deutsche Verse und hatte kurz darauf das Gros der römischen Klassiker gelesen. Mehr

Goethe und Anna Amalia

Das Buch über eine „verbotene Liebe“ ist nun in der 4. Auflage erschienen

von Ettore Ghibellino

2003 überraschte Ettore Ghibellino die Fachwelt und ein breites Publikum mit seinem Buch über den Weimarer Dichterfürsten und die Herzogin. Fünf Jahre nach Erscheinen der dritten Auflage liegt nun die vierte veränderte Auflage vor. Die Grundannahmen bleiben die gleichen, aber neue Erkenntnisse aufgrund anhaltender Forschung und lebhafter Diskussionen haben Eingang in die neue Auflage gefunden. Im Vorwort liefert Ghibellino einen breiten Überblick über die aktuelle Forschung und die Kontroversen, die er mit seinen Thesen vor fast 10 Jahren angestoßen hat. Wir dürfen Auszüge davon wiedergeben. Mehr

Max Weber – ein Porträt

Universalgelehrter mit Erfurter Wurzeln

von Martin Röw

Der Name Max Weber ist untrennbar mit der Stadt Erfurt verbunden. Der Sohn der Thüringer Landeshauptstadt gilt als Klassiker und Begründer des modernen Universitätsfachs Soziologie. Sein Einfluss auf die moderne Sozialwissenschaft, also der Wissenschaft vom Zusammenleben der Menschen, ist unbestritten. Unzählige Stichworte gehen auf sein Wirken und Denken zurück. Viele zeitgenössische Philosophen und Soziologen beziehen sich auf Max Weber, setzen sich mit seinen Ideen auseinander und führen wichtige Gedanken fort.

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