„Gut kann nur sein, was mit Liebe getan wird.“

Die Meininger Museen erinnern an eine stadtbekannte Größe der Porträtfotografie – Carola Abel

von Kathleen Heimrich

Carola Abel bei der Arbeit, aufgenommen von einem unbekannten Fotografen

Wer heute ein besonderes Porträt von sich anfertigen lassen möchte, hat die berühmte Qual der Wahl. Unzählige Ateliers und Studios bieten ihre Dienste an, und sogar der Hobbyfotograf aus dem Freundeskreis beweist sichtbares Talent. Vor etwa 40 bis 60 Jahren fiel diese Entscheidung zumindest in Meiningen leichter. Ein Porträt der Fotografin Carola Abel war und ist bis heute etwas Besonderes. Jedoch war nicht immer gewiss, ob man das von der Lichtbildnerin geschossene Porträt am Ende auch wirklich bekam.

Carola Abel erblickte als Berta Lina Hildegard Windt 1905 in Elberfeld bei Wuppertal das Licht der Welt. Als Mannequin kam sie schon zeitig mit der Fotografie in Berührung – zunächst vor der Linse. Die Arbeit hinter der Kamera lernte sie kennen, als sie 1939 den Fotografen Carl Andreas Abel heiratete und in dessen Atelier mithalf. Nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes Michael Peter (1941 bis 2008) musste Carola Abel kriegsbedingt aus Wuppertal fliehen. Über Raubach und Themar gelangte sie schließlich nach Meiningen. Ab 1946 arbeitete die Fotografin in ihrem eigenen Atelier in Meiningen. Als Broterwerb diente ihr die Fotografie bis etwa 1979, sie blieb ihrem Metier jedoch bis zu ihrem Tod 1992 treu.

Doch was war das Besondere der Abel? Was machte ihre Bilder aus? Was macht sie zu einer bedeutenden Figur der Fotografie in der DDR? Zunächst störte sich die eigenwillige Person nicht daran, dass die Materialien für Farbfotografien in der DDR nahezu nicht vorhanden waren. Sie fand sich damit ab und konzentrierte sich auf Fotografien in schwarz-weiß. Aus heutiger Sicht gesehen war diese Materialknappheit ein Glücksfall. Carola Abel machte aus dem Mangel eine Tugend. Sie experimentierte mit Licht- und Schattenwirkung, den Positionen der Porträtierten oder dem Zusammenspiel mehrerer Personen. Carola Abel revolutionierte die Fotografie nicht, aber sie widmete sich ihren Arbeiten mit unvergleichbarer Hingabe.

Sie fotografierte nicht jeden! Carola Abel bestand darauf, dass man sich vorher anmeldete und mit ihr absprach, wie das Porträt am Ende aussehen sollte. Wer kurzentschlossen mit Porträtwünschen an sie herantrat, wurde nicht selten des Ateliers verwiesen. Durch die intensive Auseinandersetzung mit ihrem Gegenüber und die umfassende Vorbereitung der ‚Shootings‘ gelang es ihr in den Porträts die Persönlichkeit der abgebildeten Personen einzufangen. Die flüchtige Vertrautheit zwischen Modell und Fotografin ermöglichte es, ungekünstelte Bilder zu schaffen, die nicht nur abbilden, sondern Hintergründe aufzeigen.

Was ein Charakterbild: Der "Kritikaster" von Carola Abel

Die Porträtfotografie war Carola Abels Passion, doch ihr Repertoire reichte wesentlich weiter: Sachaufnahmen, Natur- und Landschaftsfotografien, Bildserien, Architekturaufnahmen, Industrie- und Arbeiterfotografien sowie Stillleben. Aufnahmen ihrer Wahlheimatstadt Meiningen werden noch heute zu Werbezwecken oder als Buchillustrationen verwendet. Nicht zuletzt, weil Carola Abel nicht die Stadt als Ansammlung verschiedener Gebäude darstellte, sondern die Momentaufnahme in den Vordergrund stellt. Beispielhaft hierfür sei eine Aufnahme genannt: das Meininger Theater, mehrere Schimmel daran vorbeireitend. Solche Bilder stehen in lebhaftem Kontrast zu den zahllosen Aufnahmen des Gebäudes, die meistens eine gewisse Sterilität aufweisen.

Mit ihrem Blick für Details erlangte Carola Abel den Titel „Kunstschaffende des Handwerks“ sowie „AFIAP“ (Artiste de la Fédération Internationale de l’Art Photographique) – und das ohne jemals eine fundierte Ausbildung zur Fotografin erhalten zu haben.

Am Mittwoch, den 23. November 2011 wurde die Ausstellung Carola Abel – Das ‚seherische‘ Auge in den Meininger Museen eröffnet. Sie wird bis zum 22. April 2012 zu sehen sein und umschließt somit den 20. Todestag der Fotografin am 23. Februar 2012. Dieser Jahrestag und die Frage kulturinteressierter Meininger nach einer Ausstellung zu Ehren ihrer Ehrenbürgerin veranlasste die Meininger Museen – allen voran Kurator Axel Schneider – zur Umsetzung einer großen Sonderausstellung. Ausgestellt sind etwa 150 ihrer bildnerischen Werke, sowie Arbeitsgeräte, Korrespondenzen und Dokumente. Der Großteil stammt aus eigenem Haus, da die Meininger Museen den Hauptteil ihres Nachlasses verwalten. Angereichert wird die Ausstellung durch Leihgaben privater Personen und der Staatlichen Galerie Moritzburg in Halle.

Der Besuch der Ausstellung hält den Besucher dazu an, sich jedes Bild anschauen zu wollen, auch wenn nur ein geringes Interesse für Fotografie vorliegt.

 

Zum Weiterlesen: Voraussichtlich zum Jahresende erscheint der Katalog zur Ausstellung – unter anderem mit Beiträgen von Prof. Dr. Kai-Uwe Schierz, Direktor der Kunstmuseen in Erfurt.

Zum Entdecken: Die Sonderausstellung Carola Abel – Das ‚seherische‘ Auge kann noch bis zum 22. April 2012 in den Meininger Museen im Schloss Elisabethenburg besucht werden (Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr).

Weitere Informationen gibt es auf der Homepage der Meininger Museen

Zur Autorin: Kathleen Heimrich ist Museologin und hat den Nachlass von Carola Abel in den Meininger Museen als Grundlage ihrer Bachelorarbeit aufgearbeitet.

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