Interdisziplinäres Symposium „Bach als Lutheraner“

24.-28.02.2012 in Eisenach, veranstaltet von der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen

von Anja Conrad

Das im Jahr 2017 anstehende Reformationsjubiläum wirft seine Schatten weit voraus. Seit 2009 wird mit jährlichen Schwerpunktthemen auf das anstehende Großereignis aufmerksam gemacht, so dass auch das Jahr 2012 unter dem Thema „Reformation und Musik“ an musikalischen Veranstaltungen sicher nicht darben wird. – Warum also noch eine Veranstaltung zu diesem Thema, zu Luther und Bach?

Das Symposium „Bach als Lutheraner“ setzt sich zum Ziel, nicht nur Theologie und Musik interdisziplinär zu vereinen, sondern auch einen kreativen Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis in beiden Fachbereichen zu ermöglichen. Das Anliegen der Veranstalter ist es, dass akademischer Diskurs und Reflexion gerade nicht im Elfenbeinturm verharren, sondern mit praktischer Erfahrung verknüpft und vermittelt werden. Neben Vorträgen und Workshops mit musikalischem und/oder theologischem Schwerpunkt werden daher auch Gottesdienste und öffentliche Konzerte mit alter und neuer Musik angeboten. Mit seinen historischen Bach- und Lutherstätten bietet der Veranstaltungsort Eisenach zudem den idealen Rahmen für ein solches Vorhaben. Sowohl bei Führungen als auch in den freien Zeiten besteht deshalb die Möglichkeit, die Stadt und ihr kirchen- wie musikgeschichtliches Erbe näher kennen zu lernen. – Martin Luther und Johann Sebastian Bach waren auf je eigene Weise entscheidende Impulsgeber für die europäische Musikkultur. Dieses Erbe soll in Eisenach nicht nur wahrgenommen und benannt, sondern erprobt, erlebt und weitergeführt werden.
„Ist Bach ein Lutheraner?“

Johann Sebastian Bach genießt nicht allein als Schöpfer musikalischer Werke und als Vollender barocker Kompositionskunst größtes Ansehen über kulturelle Grenzen hinweg, er gilt vielen als der „fünfte Evangelist“ (N. Söderblom), mindestens aber als ein Bibelinterpret höchsten Ranges. Seine Interpretationen der biblischen Texte basieren zunächst auf seiner persönlichen Frömmigkeit. Zugleich aber erfolgen sie von einer reflektierten theologischen Grundlage aus, die bis in die Einzelheiten seiner Kompositionen hinein wahrzunehmen ist. Doch worin genau besteht diese Grundlage – im pietistischen Denken mancher Librettisten, in der reformatorischen Theologie, die den immer wieder eingesetzten Chorälen zugrunde liegt, in der lutherischen Prägung, die aus der verwendeten Bibelübersetzung erwächst, in der lutherischen Orthodoxie oder in der Mystik? Wie ist sein Verhältnis zur lutherischen Gestalt der Reformation zu bestimmen – ist Bach ein Lutheraner? Und, wenn ja, wie sieht seine Interpretation lutherischer Theologie aus?

Einblicke ins Programm

Ensemble AMARCORD (Foto: Martin Jehnichen)

Das Symposium unternimmt es, unter Beteiligung vieler hervorragender Kenner Bachscher Musik und Lutherscher Theologie, diesen Fragen auf unterschiedlichen Wegen nachzugehen. So besteht das Programm täglich aus Vortrag, Workshop bzw. Besichtigung und abendlichem Konzert. Hinzu kommen Andachten, ein Kantatengottesdienst mit Möglichkeit zum Mitsingen und weitere, täglich wechselnde Veranstaltungen. Vormittags soll der „Kaffee“ nach jedem Vortrag dazu dienen, in lockerer Atmosphäre mit den Referenten noch einmal ins Gespräch zu kommen. Ein musikalisches Anliegen des Symposiums ist die Verknüpfung des überlieferten Erbes mit unserer heutigen Musikkultur. So beteiligt sich u.a. die Lippmann+Rau-Stiftung mit einem Konzert und einem Workshop zur Rezeption Bachscher Musik in Jazz- und Popularmusik. Einen weiteren Brückenschlag von Bachs Passionswerken und Luthers Kreuzestheologie in die Moderne unternimmt die Aufführung von Henning Frederichs „Passionserzählung der Maria Magdalena“ (1985) durch die Meißner Kantorei 1961 unter Leitung von Christfried Brödel. Hinsichtlich der Orgelmusik wird der „Dritte Theil der Clavierübung“ eine zentrale Rolle spielen. Ihm widmet sich sowohl ein Workshop unter Leitung von Prof. Christoph Bossert in der Georgenkirche Eisenach als auch ein Konzert mit Studierenden der Meisterklasse Christoph Bosserts an der historischen Trost-Orgel (1730/55) in Waltershausen. Hinzu kommen Veranstaltungen zu Bachs Kantatenwerk sowie Führungen durch Sonderausstellungen im Bachhaus („Bach, Luther und die Musik“) und im Lutherhaus. Auch Führungen durch Eisenach und auf der Wartburg als zentralen Orten der Reformation können wahrgenommen werden. Für das Festkonzert am 26.02.2012 konnte zudem das international renommierte Vokalensemble »amarcord« gewonnen werden. Den Abschluss bildet schließlich das Ballettensemble des Landestheaters Eisenach mit einer getanzten Version von Bachs „Kunst der Fuge“.

Zielgruppen

Bachhaus Eisenach (Foto: Ulrich Kneise)

Die Tagung wendet sich an alle fachlich interessierten und versierten Liebhaber Bachscher Musik, sowie aus beruflicher Perspektive an Pfarrer und Pastorinnen, an neben- und hauptberufliche Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker sowie Musikwissenschaftler/innen und Studierende der entsprechenden Fachrichtungen.

In besonderem Maße soll das Symposium eine Möglichkeit zum interdisziplinären Dialog bieten. Die Kenntnisse von Theologen und Musikern im jeweils anderen Fachgebiet erweisen sich häufig als unzureichend. Selten bietet sich eine Gelegenheit zum ungezwungenen und kreativen Austausch. Doch ist zum Beispiel gerade für Gemeindeleben und Gottesdienst ein funktionierender fachlicher Dialog von Theologie und Musik unabdingbar und soll u.a. durch diese Veranstaltung gefördert werden.
Da die Raumkapazitäten in Eisenach nur eine begrenzte Teilnehmerzahl zulassen, empfiehlt sich eine frühzeitige Anmeldung (Anmeldeschluss: 22.01.2012). Weitere Informationen zu den Referenten, den Musikern, zum Programm und zur Anmeldung sind im Flyer und auf der Homepage www.bach-als-lutheraner.de ersichtlich.

Zur Autorin: Anja Conrad ist Kirchenmusikerin und Studierende im Aufbaustudiengang Liturgiewissenschaft an der FSU Jena. Als Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Praktische Theologie ist sie für die Organisation des Symposiums zuständig.

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