Der Geist der Goethezeit im World Wide Web

Internetseite http://www.goethezeitportal.de informiert über bedeutende Periode der deutschen Kultur- und Literaturgeschichte

von Patrick Peters

Logo des Goethezeitportals

Als zeitlich fixierte Periode, die sich an der Schaffenszeit Johann Wolfgang Goethes von circa 1770 bis zum Tod des Meisters 1832 erstreckt, nimmt die Goethezeit innerhalb der deutschen Literatur- und Kulturgeschichte eine besondere Stellung ein: Diese rund 60 Jahre umfassen drei der künstlerisch produktivsten und hochwertigsten Epochen der deutschen Geistesgeschichte – die Aufklärung mit der Strömung des Sturm und Drang, die Weimarer Klassik und die Romantik. Sie haben eine lange Reihe hochkarätiger Werke der nationalen und Weltliteratur hervorgebracht – etwa Goethes Werther, Schillers Wallenstein und Heines Loreley, um jeweils nur einen Text aus jeder der drei Gattungen zu nennen – und versammeln eine Vielzahl an Autoren, die zu den besten Deutschlands, ja der Welt gehören.

Innerhalb zweier Menschheitsgenerationen haben Dichter, neben den eben genannten, wie Heinrich von Kleist und Gottfried August Bürger, Clemens Brentano und Joseph von Eichendorff, Novalis und Jean Paul zu ihrem Schaffen gefunden und Großartiges geleistet. Den „Geist der Goethezeit“ hat Hermann August Korff in seinem gleichnamigen Standardwerk als „Ideengeschichte mit besonderem Rechte“ untersucht und umfassend dargestellt.

Das Goethezeitportal ist eine ehrenamtliche Online-Initiative, die sich nicht nur der Erforschung, sondern vor allem auch der medialen Darstellung der kultur- und literaturgeschichtlichen Themen und Zusammenhänge der Goethezeit verschrieben hat. Entstanden ist das Projekt 2004 an der Ludwig-Maximilians-Universität München unter der Leitung der Germanisten Prof. Georg Jäger (heute emeritiert), Prof. Martin Huber (heute Bayreuth) und Dr. Danica Krunic. Heute arbeiten neben den Initiatoren zahlreiche junge Wissenschaftler an den Inhalten der Internetseite mit.

Das Goethezeitportal auf einen Blick

Neben der Möglichkeit, umfassende Informationen zu erhalten und wissenschaftliche Arbeiten zu veröffentlichen, bietet das Internetportal auf redaktionell betreuten Seiten eine Plattform für gegenwärtige Kulturdiskurse. „Das Goethezeitportal ist zugleich ein Netzwerk und eine Schnittstelle zwischen den einzelnen Wissenschaften, zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, zwischen Wissenschaft und Kulturvermittlung“, erläutert Georg Jäger. Die Plattform wird vom gleichnamigen gemeinnützigen Verein getragen, dem Georg Jäger vorsteht. Martin Huber und Danica Krunic fungieren als stellvertretende Vorsitzende, und komplettiert wird der Geschäftsführende Vorstand durch den Schatzmeister Dr. Horst Engler-Hamm und die Schriftführerin Stephanie Kramp.

Im Mittelpunkt von www.goethezeitportal.de stehen die Bereiche „Wissen“ und „Bibliothek“. In der digitalen Bibliothek können die Nutzer zahlreiche Forschungsbeiträge ausgewiesener Fachkenner zu verschiedenen Themen rund um die Goethezeit kostenlos downloaden– von Hans-Edwin Friedrichs Studie zur empfindsamen Liebeskonzeption im 18. Jahrhundert bis hin zu Wolfgang Lukas′ Aufsatz ‚Entzauberter Liebeszauber‘.  Zudem werden ständig neue Publikationen vorgestellt, die sich mit der Goethezeit  kultur- und literaturgeschichtlich befassen. Unter „Wissen“ findet sich neben der TimeLine als virtuelle Reise durch die Goethezeit und der Künstlerenzyklopädie wohl der Höhepunkt des Goethezeitportals: der Projektepool. Dort stellen fachkundige Wissenschaftler umfangreich und allgemein zugänglich bestimmte Themen der Zeit von 1770 bis 1832 vor: Unter der Überschrift Italiensehnsucht deutscher Künstler der Goethezeit wird Goethes Italienische Reise vor dem Hintergrund seiner römischen Gruppenzugehörigkeit untersucht (Georg Jäger, Martin Huber, Danica Krunic, Prof. Gunter E. Grimm). Martin Huber und Danica Krunic informieren im Projekt Intermedialität und Synästhesie in der Literatur der Romantik über die neue literarische Formsprache von Wackenroder bis Hoffmann. Um Lieder der Goethezeit für Gesang und Harfe geht es im gleichnamigen Projekt von Georg Jäger, Anna Macias und Danica Krunic. Wirken, Werk und Wirkung der Dichtervereinigung Göttinger Hainbund stellt Patrick Peters gemeinsam mit Prof. Wolfgang Lukas und Danica Krunic vor. Die Essener Germanisten Gunter E. Grimm und Uwe Wehrlein untersuchen die Rezeption des Nibelungenstoffes in der deutschen Literatur und Kunst von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart; und das Projekt Dichterbilder (Gunter E. Grimm) widmet sich den historischen Strategien schriftstellerischer Selbstinszenierung. Dazu kommen unter anderem topographische Ansichten von Orten, die als goethezeitliche Erinnerungsstätten fungieren. Ein Beispiel für solche topographischen Ansichten sind die Rheinmotive auf Postkarten, die Georg Jäger und Jutta Assel sammeln und online mit Beschreibungen abbilden.

So präsentiert sich das Jugendprojekt des Goethezeitportals

Ein ganz besonderes und ambitioniertes Jugendprojekt wächst zudem langsam heran: Goethe, Schiller und Co. möchte Jugendliche neugierig auf die Kunst und Kultur der Goethezeit machen. Doch nicht nur das – hier entsteht eine Plattform für alle Organisationen und Institutionen, die selbst Projekte zur Goethezeit für Jugendliche konzipiert haben. Workshops, Musik- und Theaterprojekte in ganz Deutschland können hier auf sich aufmerksam machen. Georg Jäger, Martin Huber, Danica Krunic und Susanne Koch betreuen dieses Projekt und zeigen, dass sich der Umgang mit den „Schwafelgeistern“ auch für die Schüler von heute immer noch lohnt.

Zum Entdecken

Das Goethezeitportal findet der Leser auch in den sozialen Netzwerken XING und Facebook sowie auf Twitter.

Zum Autor: Patrick Peters ist Germanist, Autor und Journalist, promoviert und lehrt an der Bergischen Universität Wuppertal. Er leitet das Goethezeitportal-Projekt Der Göttinger Hain – Wirken, Werk und Wirkung und fungiert als Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Goethezeitportals.

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2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Stefanie Kießling
    Aug 08, 2011 @ 19:19:00

    Auch zu Wilhelm Heinse, den wir bereits im April vorgestellt haben, bietet das Portal zwei Standardbeiträge der Heinseforschung zur Lektüre beziehungsweise zum Download an (http://is.gd/YVKdvW und http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=1892) Das freut mich!

    Antworten

  2. Trackback: Das Goethezeitportal « drdanicakrunic

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