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	<description>Online-Journal für Thüringer Kulturgeschichte</description>
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		<title>KulThür</title>
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		<title>Athen an der Saale</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Jan 2012 00:01:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robert Eberhardt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kritiken]]></category>

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		<description><![CDATA[Dichter und Gelehrte über Jena und seine Universität von Robert Eberhardt Das von Günter Schmidt herausgegebene Lesebuch möchte Texte aus allen Epochen versammeln, die sich der alten thüringischen Universitätsstadt, dem „Saale-Athen“, widmen und aus ihrer bewegten Geschichte berichten. Dafür wurde der Fokus recht weit gefasst und wir finden offizielle Schreiben ebenso wie persönliche Erinnerungen aus [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=kulturerbethueringen.wordpress.com&amp;blog=19544436&amp;post=1630&amp;subd=kulturerbethueringen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5>Dichter und Gelehrte über Jena und seine Universität</h5>
<p><em>von Robert Eberhardt</em></p>
<p><a class="thickbox" href="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2012/01/schmidt__g__nter_4cee37a1b0c0b.jpg"><img class="alignright  wp-image-1632" title="Schmidt__G__nter_4cee37a1b0c0b" src="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2012/01/schmidt__g__nter_4cee37a1b0c0b.jpg?w=184&#038;h=300" alt="" width="184" height="300" /></a>Das von Günter Schmidt herausgegebene Lesebuch möchte Texte aus allen Epochen versammeln, die sich der alten thüringischen Universitätsstadt, dem „Saale-Athen“, widmen und aus ihrer bewegten Geschichte berichten. Dafür wurde der Fokus recht weit gefasst und wir finden offizielle Schreiben ebenso wie persönliche Erinnerungen aus dem Alltäglichen oder Berichte aus Krisen- und Katastrophenzeiten. Ein Mindestmaß an sprachlicher und literarischer Qualität eint die Beiträge. Dass Jena nach Weimar die am häufigsten beschriebene Literaturstadt Thüringens ist und daher nur einige Fixsterne präsentiert wird, gibt der Herausgeber einleitend zur Kenntnis. Trotzdem ist ein Kompendium aus mehr als 130 Beiträgen entstanden, das Jena von vielen Perspektiven aus beleuchtet.<span id="more-1630"></span></p>
<p>Im Vorwort denkt der Herausgeber in großen Kategorien und bringt einige Gedanken zur Definition und den Spezifika eines bestimmten Ortes. Denn ein „Ort“ ist nicht nur der territoriale Raum einer Stadt, sondern vor allem auch ein historisch gewordener Gedächtnisraum. So leitet ein Wort Ciceros das Buch ein: „&#8230; so groß ist die Kraft der Erinnerung, die Orten innewohnt“. Eine knapp 20-seitige Einleitung gibt einen Abriss über die Stadtgeschichte, damit die literarischen Arbeiten nicht ohne Gerüst dastehen.</p>
<p>Die ältesten in diese Anthologie aufgenommen Texte stammen aus dem 16. Jahrhundert. 1557 wurde das akademische Gymnasium durch Kaiser Ferdinand I. in den Rang einer Universität erhoben. Bereits in diesem frühen in Latein geschriebenen Lobeshymnen auf die Stadt entdecken wir Topi, die sich durch die Zeit ziehen und besonders das Akademische oder Landschaftliche der Stadt huldigen. „Sachsens Zier“, „Musen-Sitz“ und, wegen seines milden Klimas übertrieben „Deutsches Florenz“, wurde Jena betitelt. So wie man heute Schwimmbäder „Toskana Therme“ nennt, bezog man sich schon damals auf das Sehnsuchtsland der Deutschen, auf Italien (freilich in geistreicheren Anspielungen als die jetzigen Marketing- und Tourismusexperten).</p>
<p>Zahlreich sind die Beiträge aus dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts als Jena eine „Heimstatt des Kantianismus“ war und das Klassische der Nachbarstadt Weimar sie endgültig zu der – wie Goethe es sagte – „Stapelstadt“ des Wissens machte. Die Romantiker gründeten hier ihre libertären Lebensentwürfe und beinahe alle Namen des geistiges Deutschlands finden eine Zeitlang Verbindung nach Jena: August Wilhelm und Friedrich Schlegel, Novalis, Hölderlin, Sophie Mereau.</p>
<p>Die biedermeierliche Idylle wandelt sich auch an der Saale in eine industrialisierte Stadt, die mit Carl Zeiss und Ernst Abbe ihre technischen Helden finden sollte. Etwa die Hälfte der Beiträge stammt aus dieser industriellen Zeit und aus dem 20.Jahrundert: Max Reger, Rudolf Eucken, Ricarda Huch, bis hin zu zeitgenössischen Autoren wie Christa Wolf und Lutz Rathenow. Viele der Autoren wird der Leser nicht kennen und lohnende Neuentdeckungen machen. Jedem Text steht eine kurze Einführung voran, der ausgewählte Abschnitt wird in das Gesamtwerk eingeordnet und der Bezug zur Stadt erläutert.</p>
<p>Es ist eine angenehme Abwechslung, eine Stadt einmal nicht über herkömmliche Stadtführer und historische Abhandlungen kennenzulernen, sondern anhand einiger literarischer Schlaglichter. Die unterschiedlichen Sprachstile machen Lust, sich den einen oder anderen Text in Gänze zu besorgen und mehr Literarisches über Jena zu lesen. Dass der empfehlenswerten Anthologie keine Abbildungen beigegeben sind, ist kein Mangel. So bleibt dem Geist genügend Freiraum, sich das Jena der verschiedenen Jahrhunderte und Milieus zu imaginieren und nicht von Momentaufnahmen in Bildern gefesselt zu werden.</p>
<p><strong>Günter Schmidt (Hg.): Athen an der Saale. Dichter und Gelehrte über Jena und seine Universität. Mitteldeutscher Verlag, Halle, 2011. 311 Seiten.</strong></p>
<p><em>Zum Autor: Robert Eberhardt, <em>Autor, Verleger des Wolff Verlags und Student der Kunstgeschichte, ist Vorsitzender der Gesellschaft Kulturerbe Thüringen e.V</em>.</em></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/kulturerbethueringen.wordpress.com/1630/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/kulturerbethueringen.wordpress.com/1630/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/kulturerbethueringen.wordpress.com/1630/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/kulturerbethueringen.wordpress.com/1630/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/kulturerbethueringen.wordpress.com/1630/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/kulturerbethueringen.wordpress.com/1630/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/kulturerbethueringen.wordpress.com/1630/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/kulturerbethueringen.wordpress.com/1630/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/kulturerbethueringen.wordpress.com/1630/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/kulturerbethueringen.wordpress.com/1630/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/kulturerbethueringen.wordpress.com/1630/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/kulturerbethueringen.wordpress.com/1630/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/kulturerbethueringen.wordpress.com/1630/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/kulturerbethueringen.wordpress.com/1630/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=kulturerbethueringen.wordpress.com&amp;blog=19544436&amp;post=1630&amp;subd=kulturerbethueringen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>„Gut kann nur sein, was mit Liebe getan wird.“</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Nov 2011 20:40:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robert Eberhardt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kulturleben]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Meininger Museen erinnern an eine stadtbekannte Größe der Porträtfotografie – Carola Abel von Kathleen Heimrich Wer heute ein besonderes Porträt von sich anfertigen lassen möchte, hat die berühmte Qual der Wahl. Unzählige Ateliers und Studios bieten ihre Dienste an, und sogar der Hobbyfotograf aus dem Freundeskreis beweist sichtbares Talent. Vor etwa 40 bis 60 [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=kulturerbethueringen.wordpress.com&amp;blog=19544436&amp;post=1583&amp;subd=kulturerbethueringen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5>Die Meininger Museen erinnern an eine stadtbekannte Größe der Porträtfotografie – Carola Abel</h5>
<p><em>von Kathleen Heimrich</em></p>
<div id="attachment_1594" class="wp-caption alignleft" style="width: 116px"><a class="thickbox" href="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/11/selbst_abel_carola_titel_4902.jpg"><img class=" wp-image-1594    " title="Carola Abel" src="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/11/selbst_abel_carola_titel_4902.jpg?w=106&#038;h=194" alt="" width="106" height="194" /></a><p class="wp-caption-text">Carola Abel bei der Arbeit, aufgenommen von einem unbekannten Fotografen</p></div>
<p>Wer heute ein besonderes Porträt von sich anfertigen lassen möchte, hat die berühmte Qual der Wahl. Unzählige Ateliers und Studios bieten ihre Dienste an, und sogar der Hobbyfotograf aus dem Freundeskreis beweist sichtbares Talent. Vor etwa 40 bis 60 Jahren fiel diese Entscheidung zumindest in Meiningen leichter. Ein Porträt der Fotografin Carola Abel war und ist bis heute etwas Besonderes. Jedoch war nicht immer gewiss, ob man das von der Lichtbildnerin geschossene Porträt am Ende auch wirklich bekam.<span id="more-1583"></span></p>
<p>Carola Abel erblickte als Berta Lina Hildegard Windt 1905 in Elberfeld bei Wuppertal das Licht der Welt. Als Mannequin kam sie schon zeitig mit der Fotografie in Berührung – zunächst vor der Linse. Die Arbeit hinter der Kamera lernte sie kennen, als sie 1939 den Fotografen Carl Andreas Abel heiratete und in dessen Atelier mithalf. Nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes Michael Peter (1941 bis 2008) musste Carola Abel kriegsbedingt aus Wuppertal fliehen. Über Raubach und Themar gelangte sie schließlich nach Meiningen. Ab 1946 arbeitete die Fotografin in ihrem eigenen Atelier in Meiningen. Als Broterwerb diente ihr die Fotografie bis etwa 1979, sie blieb ihrem Metier jedoch bis zu ihrem Tod 1992 treu.</p>
<p>Doch was war das Besondere der Abel? Was machte ihre Bilder aus? Was macht sie zu einer bedeutenden Figur der Fotografie in der DDR? Zunächst störte sich die eigenwillige Person nicht daran, dass die Materialien für Farbfotografien in der DDR nahezu nicht vorhanden waren. Sie fand sich damit ab und konzentrierte sich auf Fotografien in schwarz-weiß. Aus heutiger Sicht gesehen war diese Materialknappheit ein Glücksfall. Carola Abel machte aus dem Mangel eine Tugend. Sie experimentierte mit Licht- und Schattenwirkung, den Positionen der Porträtierten oder dem Zusammenspiel mehrerer Personen. Carola Abel revolutionierte die Fotografie nicht, aber sie widmete sich ihren Arbeiten mit unvergleichbarer Hingabe.</p>
<p>Sie fotografierte nicht jeden! Carola Abel bestand darauf, dass man sich vorher anmeldete und mit ihr absprach, wie das Porträt am Ende aussehen sollte. Wer kurzentschlossen mit Porträtwünschen an sie herantrat, wurde nicht selten des Ateliers verwiesen. Durch die intensive Auseinandersetzung mit ihrem Gegenüber und die umfassende Vorbereitung der ‚Shootings‘ gelang es ihr in den Porträts die Persönlichkeit der abgebildeten Personen einzufangen. Die flüchtige Vertrautheit zwischen Modell und Fotografin ermöglichte es, ungekünstelte Bilder zu schaffen, die nicht nur abbilden, sondern Hintergründe aufzeigen.</p>
<div id="attachment_1601" class="wp-caption alignright" style="width: 241px"><a class="thickbox" href="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/11/p_kritikasterl_4901.jpg"><img class="wp-image-1601 " title="Kritikaster" src="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/11/p_kritikasterl_4901.jpg?w=231&#038;h=298" alt="" width="231" height="298" /></a><p class="wp-caption-text">Was ein Charakterbild: Der &quot;Kritikaster&quot; von Carola Abel</p></div>
<p>Die Porträtfotografie war Carola Abels Passion, doch ihr Repertoire reichte wesentlich weiter: Sachaufnahmen, Natur- und Landschaftsfotografien, Bildserien, Architekturaufnahmen, Industrie- und Arbeiterfotografien sowie Stillleben. Aufnahmen ihrer Wahlheimatstadt Meiningen werden noch heute zu Werbezwecken oder als Buchillustrationen verwendet. Nicht zuletzt, weil Carola Abel nicht die Stadt als Ansammlung verschiedener Gebäude darstellte, sondern die Momentaufnahme in den Vordergrund stellt. Beispielhaft hierfür sei eine Aufnahme genannt: das Meininger Theater, mehrere Schimmel daran vorbeireitend. Solche Bilder stehen in lebhaftem Kontrast zu den zahllosen Aufnahmen des Gebäudes, die meistens eine gewisse Sterilität aufweisen.</p>
<p>Mit ihrem Blick für Details erlangte Carola Abel den Titel „Kunstschaffende des Handwerks“ sowie „AFIAP“ (Artiste de la Fédération Internationale de l’Art Photographique) – und das ohne jemals eine fundierte Ausbildung zur Fotografin erhalten zu haben.</p>
<p>Am Mittwoch, den 23. November 2011 wurde die Ausstellung <em>Carola Abel – Das ‚seherische‘ Auge</em> in den Meininger Museen eröffnet. Sie wird bis zum 22. April 2012 zu sehen sein und umschließt somit den 20. Todestag der Fotografin am 23. Februar 2012. Dieser Jahrestag und die Frage kulturinteressierter Meininger nach einer Ausstellung zu Ehren ihrer Ehrenbürgerin veranlasste die Meininger Museen – allen voran Kurator Axel Schneider – zur Umsetzung einer großen Sonderausstellung. Ausgestellt sind etwa 150 ihrer bildnerischen Werke, sowie Arbeitsgeräte, Korrespondenzen und Dokumente. Der Großteil stammt aus eigenem Haus, da die Meininger Museen den Hauptteil ihres Nachlasses verwalten. Angereichert wird die Ausstellung durch Leihgaben privater Personen und der Staatlichen Galerie Moritzburg in Halle.</p>
<p>Der Besuch der Ausstellung hält den Besucher dazu an, sich jedes Bild anschauen zu wollen, auch wenn nur ein geringes Interesse für Fotografie vorliegt.</p>
<p><em> </em></p>
<p><strong>Zum Weiterlesen: </strong>Voraussichtlich zum Jahresende erscheint der Katalog zur Ausstellung – unter anderem mit Beiträgen von Prof. Dr. Kai-Uwe Schierz, Direktor der Kunstmuseen in Erfurt.</p>
<p><strong>Zum Entdecken: </strong>Die Sonderausstellung <em>Carola Abel &#8211; Das ‚seherische‘ Auge</em> kann noch bis zum 22. April 2012 in den Meininger Museen im Schloss Elisabethenburg besucht werden (Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr).</p>
<p>Weitere Informationen gibt es auf der Homepage der <a title="Homepage der Meininger Museen" href="http://www.meiningermuseen.de/pages/startseite/programm/sonderausstellungen/carola-abel---das-seherische-auge.php#abel" target="_blank">Meininger Museen</a></p>
<p><em>Zur Autorin: Kathleen Heimrich ist Museologin und hat den Nachlass von Carola Abel in den Meininger Museen als Grundlage ihrer Bachelorarbeit aufgearbeitet. </em></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/kulturerbethueringen.wordpress.com/1583/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/kulturerbethueringen.wordpress.com/1583/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/kulturerbethueringen.wordpress.com/1583/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/kulturerbethueringen.wordpress.com/1583/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/kulturerbethueringen.wordpress.com/1583/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/kulturerbethueringen.wordpress.com/1583/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/kulturerbethueringen.wordpress.com/1583/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/kulturerbethueringen.wordpress.com/1583/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/kulturerbethueringen.wordpress.com/1583/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/kulturerbethueringen.wordpress.com/1583/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/kulturerbethueringen.wordpress.com/1583/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/kulturerbethueringen.wordpress.com/1583/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/kulturerbethueringen.wordpress.com/1583/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/kulturerbethueringen.wordpress.com/1583/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=kulturerbethueringen.wordpress.com&amp;blog=19544436&amp;post=1583&amp;subd=kulturerbethueringen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Luthers Schmalkaldische Artikel</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Nov 2011 14:05:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robert Eberhardt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Historie]]></category>

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		<description><![CDATA[von Prof. Dr. Siegfried Hermle Die Schmalkaldischen Artikel sind bis heute Bekenntnisschrift der Evangelischen Kirche. Der folgende Text (die Wortfassung eines Vortrags, der am 3.9.2011 in Schmalkalden gehalten wurde) führt die Voraussetzungen vor Augen, die zum Verständnis jener Vorgänge unabdingbar waren. Dies erfolgt in drei Abschnitten: Erstens ist die Frage nach einem Konzil in der [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=kulturerbethueringen.wordpress.com&amp;blog=19544436&amp;post=1526&amp;subd=kulturerbethueringen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Prof. Dr. Siegfried Hermle</em></p>
<div id="attachment_1552" class="wp-caption alignleft" style="width: 99px"><a href="http://kulturerbethueringen.wordpress.com/2011/11/02/luthers-schmalkaldische-artikel/signet-schmalkaldenartikel/" rel="attachment wp-att-1552"><img class="size-thumbnail wp-image-1552" title="Signet-Schmalkaldenartikel" src="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/11/signet-schmalkaldenartikel.jpg?w=89&#038;h=150" alt="" width="89" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Die von Reformatoren unterschriebenen Schmalkaldischen Artikel von 1537</p></div>
<p>Die Schmalkaldischen Artikel sind bis heute Bekenntnisschrift der Evangelischen Kirche. Der folgende Text (die Wortfassung eines Vortrags, der am 3.9.2011 in Schmalkalden gehalten wurde) führt die Voraussetzungen vor Augen, die zum Verständnis jener Vorgänge unabdingbar waren. Dies erfolgt in drei Abschnitten: Erstens ist die Frage nach einem Konzil in der Reformationszeit zu klären, zweitens wird der Schmalkaldische Bund selbst näher zu betrachten sein und drittens wird der Bedeutung Luthers in aller Kürze nachzugehen sein. In einem zweiten Teil werden dann die unmittelbare Vorgeschichte und der Verlauf des Bundestages vom Februar 1536 vorgestellt sowie zwölf Spuren zu den Schmalkaldischen Artikel gelegt. In einem Schlussteil soll schließlich die aktuelle Bedeutung jener Vorgänge nachgegangen und gefragt werden, inwieweit diese vor ziemlich genau 475 Jahren statt habenden Ereignisse uns noch heute betreffen und Impulse geben können. <span id="more-1526"></span></p>
<p><strong>1.           Die Voraussetzungen</strong></p>
<p><em>1.1.         Die Frage nach einem Konzil</em></p>
<p>Die Forderungen nach einem Konzil, das den Missständen in der katholischen Kirche abhelfen sollte, war im 15. Jahrhundert immer wieder erhoben worden. Das Konzil von Konstanz hatte 1414 bis 1418 immerhin in die Wege geleitet, dass das große abendländische Schisma – es gab drei miteinander konkurrierende Päpste – wieder sein Zentrum in Rom erhielt. Interessanterweise lässt sich feststellen, dass bei Martin Luther das Thema Konzil erst nach der Veröffentlichung seiner Thesen gegen den Ablass 1517 breitere Bedeutung erlangte. Im Zusammenhang mit dem gegen ihn in Rom angestrengten Prozess erlangte das Konzil als Appellationsinstanz für Luther Bedeutung. Luthers Landesherrn, Friedrich den Weisen, war es gelungen, das Verhör Luthers von Rom nach Augsburg zu verlegen; dort sollte der angesehene Kardinal Thomas de Vio – Cajetan genannt – im Anschluss an den Reichstag Luther verhören. An drei Tagen, vom 12. bis 14. Oktober 1518, fanden die Gespräche im Fuggerhaus statt, doch Cajetan forderte primär einen Widerruf und drohte mit Exkommunikation. Als das Scheitern der Gespräche offenkundig wurde, appellierte Luther am 16. Oktober vor einem Notar und Zeugen, noch eher er die Reichsstadt Augsburg verließ, vom Papst an ein allgemeines Konzil. Luther rief demnach gegen einen Beschluss des Papstes ein als überparteilich angesehenes Konzil an, das den Streit schlichten sollte. In der Begründung für diesen Schritt machte Luther geltend, dass das Appellationsverbot des Papstes illegitim sei; das Konzil repräsentiere die Katholische Kirche, daher stehe es über dem Papst. Dies gelte umso mehr, da der Papst irren könne. Luther ließ eine Urkunde drucken, um sie beim Eintreffen einer Bannbulle veröffentlichen zu können; doch der geschäftstüchtige Drucker verkaufte sie umgehend, was Luther sehr verärgerte.</p>
<p>Damit aber war das Thema „Konzil“ für Luther nicht abgeschlossen: 1519 entlockte ihm sein Widersacher Johannes Eck auf der Leipziger Disputation die Aussage, nicht nur der Papst, auch Konzilien könnten irren – wobei Luther auf die Verurteilung von Jan Hus in Konstanz verwies. Einige in Konstanz verurteilte Sätze von Hus seien als „ganz christliche und evangelische“ anzusehen. Luthers nächste, in einer breiten Öffentlichkeit rezipierte Äußerung zu einem Konzil findet sich in der Adelsschrift von 1520. Hier legte er dar, dass die Überordnung des Papstes über ein Konzil ebenso anmaßend sei, wie die Forderung, der Papst allein könne ein Konzil einberufen. Luther widersprach: Die Einberufung eines Konzils könne auch von der weltlichen Obrigkeit veranlasst werden, falls die kirchliche sich verweigere. Luther erhoffte sich von einem freien christlichen Konzil eine Generalreform der Kirche; neben zahlreichen Missständen sollte auch die Frage des Laienkelches oder des Zölibats geklärt und dem Evangelium gemäße Neuordnungen veranlassen werden.</p>
<p>Nachdem Luther im Oktober 1520 über die Verbreitung der Bannandrohungsbulle unterrichtet und diese ihm am 10.Oktober auch förmlich in Wittenberg ausgehändigt worden war, nahm er nicht nur äußerst polemisch dagegen Stellung und verbrannte die Bulle vor dem Elstertor, er erneuerte förmlich die vor zwei Jahren ausgesprochene Appellation an „ein christlich frei Concilium“.</p>
<p>In den folgenden Jahren wurde die Frage nach einem Konzil politisiert. So wurde auf dem 3. Nürnberger Reichstag von 1524 angesichts der Schwierigkeiten, ein Universalkonzil durchzusetzen, von den Altgläubigen <span style="text-decoration:underline;">und</span> lutherischen Ständen die Abhaltung eines deutschen Nationalkonzils in Aussicht genommen. Allerdings untersagte Kaiser Karl V. unter Androhung der Reichsacht das intendierte Nationalkonzil und verbot zugleich jedes von den Reichsständen angeregte Konzil sowie jede Disputation über den Glauben. Erst mit dem Speyerer Reichstag von 1529 nahm die Konzilsfrage wieder Fahrt auf. Allerdings war ein gemeinsames Vorgehen der Altgläubigen und lutherischen Stände nun nicht mehr möglich. Zwar forderten die Altgläubigen ein christliches Generalkonzil in einer deutschen Stadt, doch sollte dies vornehmlich die Aufgabe haben, die protestantische Ketzerei einzudämmen. Die evangelischen Stände hingegen, die 1529 gegen die Restitution des Wormser Edikts protestiert hatten, forderten ein „frei christlich gemein concilium und versamblung der heiligen christenhait“, die als unparteiischer Richter fungieren sollte.</p>
<p>Eher unerwartet schien nach einer Zusammenkunft von Kaiser Karl und Papst Clemens VII. im Winter 1532/33 in Bologna die Einberufung eines Konzils tatsächlich möglich. Die nach Deutschland entsandten Emissäre wurden auch in Wittenberg vorstellig. Luther arbeitete zwei Voten aus, in denen er radikal ein unter der Obrigkeit der Päpste stehendes Konzil ablehnte, da ein solches gegen das Wort Gottes stehe. Auf Initiative Philipp Melanchthons hin wurde die päpstliche Initiative jedoch akzeptiert, bei gleichzeitigem Protest gegen die päpstliche Oberhoheit. Er könne nicht über einem Konzil stehen, da, so hatte Luther in seinem Votum herausgearbeitet, der Papst nicht zugleich Partei und Richter sein können. Allerdings scheiterte diese Initiative von Papst Clemens weniger an den protestantischen Einsprüchen, als „an der Uneinigkeit der Anhänger Roms und am französischen König Franz I.“.</p>
<p>Die protestantischen Theologen behielten diese Linie – Kritik einerseits und Bereitschaftserklärung zur Teilnahme andererseits – in den folgenden Jahren bei; die protestantischen Obrigkeiten jedoch, zumindest die im Schmalkaldischen Bund zusammengeschlossenen, waren eher geneigt, ein Konzil unter päpstlicher Oberhoheit generell abzulehnen.</p>
<p><em>1.2.         Der Schmalkaldische Bund</em></p>
<p>Nach dem Augsburger Reichstag von 1530 schlossen sich Ende Dezember 1530 protestantische Fürsten und Städte zusammen, um ihren Glauben zu verteidigen. Dieser Schritt erschien notwendig, da zu befürchten war, dass der Kaiser eine Exekution wegen Landfriedensbruch durchführen könnte, um die evangelischen Stände zum alten Glauben zurückzuzwingen. Die Gründungsmitglieder versicherten sich gegenseitige Unterstützung, falls „gegen das Wort Gottes ‚mit gewalt und der tat‘ vorgegangen“ würde. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten fünf mitteldeutsche Fürsten: Kursachsen und Hessen als Bundeshauptleute, weiter Braunschweig-Lüneburg, Braunschweig-Grubenhagen und Anhalt-Bernburg, ferner die beiden Grafen von Mansfeld sowie elf Städte: darunter Straßburg, Ulm, Memmingen, Reutlingen, Konstanz, Biberach und Magdeburg. Bis 1538 konnte sich der Bund stetig vergrößern. Nur einige der neuen Mitglieder seien genannt: Braunschweig, Göttingen, Esslingen, Frankfurt, Augsburg, Hamburg oder Kempten sowie als wichtigstes neues Territorium Württemberg, das 1536 mit Hilfe Philipp von Hessens den Habsburgern entrissen und reformiert worden war, dazu Anhalt-Dessau und Pommern. Bis zur Auflösung des Bundes 1547 wurde danach nur noch Hildesheim aufgenommen.</p>
<p>Diese Aufzählung zeigt die beiden Schwerpunkte des Bundes: Zum einen ergab sich ein niedersächsisch-mitteldeutscher Block – der niederdeutsche Kreis –, zum anderen waren zahlreiche süddeutsche Reichsstädte sowie das Herzogtum Württemberg im Schmalkaldischen Bund vereint – der oberdeutsche Kreis. Jedes Mitglied hatte einen jährlichen Obolus an die Bundeskasse zu entrichten, um Mittel für einen Konfliktfall bereitzuhalten. Oberstes Ziel des Zusammenschlusses war die Behauptung des evangelischen Glaubens. Alle anstehenden Fragen wurden auf Bundestagen beschlossen; insgesamt gab es mehr als 30 Zusammenkünfte, die sich immerhin sieben Mal hier in Schmalkalden zusammenfanden.</p>
<p>Mit den beiden regionalen Schwerpunkten ergaben sich freilich auch theologische Probleme. Diese waren auf dem Reichstag von Augsburg 1530 dadurch augenscheinlich geworden, dass einige der späteren Bundesmitglieder die Confessio Augustana, andere aber ein eigenes Bekenntnis, die Confessio Tetrapolitana, vorgelegt hatten (Straßburg, Memmingen, Konstanz, Lindau). Der entscheidende Differenzpunkt lag im Verständnis des Abendmahls. Viele der süddeutschen Reichsstädte folgten in ihrer Abendmahlslehre der von Zwingli vertretenen Sicht, derzufolge – verkürzt ausgedrückt – die versammelte Gemeinde ein Gedächtnismahl feierte, bei dem Christus im Abendmahl spirituell präsent ist. Luther hingegen lehrte, Christus sei in den Elementen von Brot und Wein im Moment des Genusses real anwesend. Diese Differenz war in Marburg 1529 offenkundig geworden. Nach der Gründung des Bundes suchten dessen Mitglieder unter maßgeblicher Mitwirkung von Martin Butzer einen Ausgleich in dieser Frage. Nach harten Verhandlungen legten die Theologen 1536 eine Übereinkunft vor: In der sogenannten Wittenberger Concordie wurde eine von Butzer vorgeschlagene Verständigungsformel festgeschrieben, derzufolge im Abendmahl „Leib und Blut Christi ‚mit dem brot und wein‘ (cum pane et vino) ‚warhafftig und wesentlich zu gegen sey[en] und dargereicht und empfangen werden‘.“ Die Anwesenheit Christi in den Elementen sei dabei weder von der Würdigkeit des Spenders noch des Empfängers abhängig, d.h., auch Unwürdige nehmen den Leib Christi zu sich – freilich nicht zu ihrem Heil, sondern zum Gericht.</p>
<p>Ein letztes zum Schmalkaldischen Bund: Signifikant war für diesen Zusammenschluss die „enge Abstimmung zwischen Theologen, Juristen und fürstlichen oder städtischen Politikern“. Dieses Zusammenwirken wurde geradezu zu einem „Strukturelement der reformatorischen Kommunikations- und Entscheidungsprozesse.“ Es war in diesem Bund also wichtig und zentral, dass nicht die Politiker für sich – allein nach politischen Maßstäben – zu Entscheidungen gelangten, sondern ihre Überlegungen und Beschlüsse stets mit den Theologen abstimmten. Politik ohne Theologie und Theologie ohne Politik war nicht vorstellbar.</p>
<p><em>1.3.         Die Bedeutung Luthers</em></p>
<p>Es ist hier nicht der Ort, Luthers Biografie vorzuführen. Ich möchte lediglich zwei Punkte herausstellen, die für den Schmalkaldener Bundestag von 1537 von Bedeutung waren.</p>
<p>Zum einen ist die enge Bindung Luthers an den jeweiligen Landesherrn herauszustellen. Zunächst war es der sächsische Kurfürst Friedrich, der seine Hand über den Professor „seiner“ Universität Wittenberg hielt. Friedrich sorgte für die Verlegung des im Rahmen des Prozesses gegen Luther anstehenden Verhörs von Rom nach Augsburg und auch nach der Verhängung der Reichsacht auf dem Wormser Reichstag 1521 schützte er Luther. Er ließ ihn auf die Wartburg „entführen“, wo Luther inkognito als Junker Jörg lebte und wichtige Schriften verfasste – darunter die Übersetzung des Neuen Testaments.</p>
<p>Nach dem Tod Friedrichs 1525 war es dessen Bruder Johann, der Beständige genannt, der treu auf der Seite des Reformators stand und in seinem Territorium durch Visitationen die Lehre Luthers durchsetzte. Ihn verband eine nahezu freundschaftliche Beziehung zu Luther. Als Johanns Sohn Johann Friedrich 1532 die Regierung übernahm, erwies auch er sich als entschiedener Förderer der Reformation. Er wollte unter allen Umständen das Erbe Luthers bewahren – hierauf wird noch näher einzugehen sein.</p>
<p>Das zweite, das hier im Blick auf Luther anzusprechen ist, betrifft dessen Gesundheitszustand. Von Krankheiten Luthers wird immer wieder berichtet: Beispielsweise fesselte ihn 1526 „ein Brausen im Ohr wie Wellen im Meer“ ans Bett und am 5. Februar 1533 erlitt Luther einen Schwächeanfall, der ihn um sein Leben fürchten ließ. Für Luther war es im Übrigen unzweifelhaft, dass der Teufel hinter diesen Attacken stecke, er wollte ihn anfechten und von der Wahrheit abbringen. Wegen Schwindel und Ohrensausen konnte er im Folgenden oft nicht arbeiten. Durch Schmerzen in den Zehen kündigte sich im Herbst 1533 Symptome des Harnsteinleidens an, das ihn immer stärker belastete. Die angeschlagene Gesundheit Luthers zeigte sich in den folgenden Monaten in offenen Geschwüren am Unterschenkel, ihn plagten Durchfall und Erkrankungen und Anfang 1536 zwangen ihn Ischias-Schmerzen ins Bett. Noch zwei weitere gesundheitliche Attacken quälten Luther 1536, so dass er die Nähe des Todes zu spüren meinte: Vor Ostern wurde er massiv von einem Harnsteinleiden gequält, und erst der schmerzhafte Abgang von kleinen Steinen in Grießform im Juni brachte Erleichterung. Am 19. Dezember erlitt er „einen schweren Herzanfall, der das Schlimmste befürchten ließ“. Auch während der Bundestagung in Schmalkalden Anfang 1537 – auf die nun im Folgenden einzugehen sein wird – war Luther durch sein Harnsteinleiden schwer mitgenommen; vorübergehende Linderung schaffte am 8. Februar der Abgang eines Steines – doch sollte dies nur eine vorübergehende Besserung nach sich ziehen.</p>
<p><strong>2.  Der Bundestag in Schmalkalden 1537 und die Schmalkaldischen Artikel</strong></p>
<p><em>2.1.         Die Konzilsinitiative von Papst Paul III.</em></p>
<p>Die so lange geforderte Einberufung eines Konzils schien Mitte der 1530er Jahre plötzlich in greifbare Nähe gerückt. Der seit 1534 amtierende Papst Paul III. signalisierte, dass er bereit sei, ein Konzil einzuberufen. Bereits Anfang 1535 wurden Gesandtschaften nach Spanien, Frankreich und Deutschland entsandt, um die Fürsten von den päpstlichen Plänen zu unterrichten. Pietro Paolo Vergerio, Nuntius am Hof König Ferdinands, sollte die Gespräche in Deutschland führen. Am 6. November 1535 traf er in Wittenberg ein und einen Tag später fand eine Unterredung des päpstlichen Abgesandten mit Luther statt. Berichtet wird, dass sich Luther hierfür den Bart scheren ließ und eigens seine beste Kleidung anlegte – er wollte jugendlich und agil erscheinen. Die Gesprächsatmosphäre war wohl angespannt, nach verschiedenen anderen Themen wandte man sich dem Bereich Konzil zu. Luther machte hierzu deutlich, dass die Evangelischen ein solches nicht nötig hätten, sondern nur die vom Papst verführten Menschen. Vergerio hingegen gab sich überzeugt, dass ein im Heiligen Geist versammeltes Konzil Luther verurteilen würde. Luther sagte schließlich Vergerio die Teilnahme – unabhängig vom Ort der Zusammenkunft – zu: er werde erscheinen. Vergerio gab im Übrigen 1549 sein Amt als Bischof von Capodistria auf und wandte sich der Reformation zu!</p>
<p>Nach einem Gespräch, das Vergerio mit Kurfürst Johann Friedrich in Prag am 30. November geführt hatte, begrüßte am 21. Dezember 1535 auch der Schmalkaldische Bund das Konzil, widersprach jedoch dem vorgesehenen Tagungsort Mantua, da Reichstage gefordert hatten, das Konzil müsse auf deutschem Boden stattfinden.</p>
<p>Am 2. Juni 1536 schrieb Papst Paul III. dann tatsächlich ein Konzil aus: Es sollte am 23. Mai 1537 in Mantua beginnen.</p>
<p><em>2.2.         Die Vorbereitungen für den Bundestag</em></p>
<p>Bereits am 24. Juli 1536 forderte Kurfürst Johann Friedrich durch seinen Kanzler Gregor Brück die Theologen und Juristen der Wittenberger Universität zu einer Stellungnahme zum Konzil auf. Zwei Tage später formulierte er selbst ein Bedenken, in dem er festhielt, dass die Einladung zu einem Konzil nicht angenommen werden sollte; ja, er wollte nicht einmal die päpstlichen Legaten mit dem Einladungsschreiben empfangen. Er wollte die im Anschreiben offenkundig werdende Anmaßung und Hoheit des Papstes nicht akzeptieren, da diese „wider Gott wäre“, das Konzil sei also „unchristlich, ungöttlich, auch wider Recht und Billigkeit“. Er erwog, ob nicht ein Gegenkonzil abgehalten werden sollte, das „ein gemein, frei, christlich Concilium“ sein sollte, „das in deutscher Nation zu halten“ sei.</p>
<p>Die Wittenberger Theologen und Juristen jedoch waren anderer Ansicht: Sie rieten – in Unkenntnis des Bedenkens ihres Landesherrn – in ihrem Votum vom 6. August das Konzil zu beschicken. Da man sich immer auf ein Konzil berufen habe, könne man jetzt nicht fernbleiben, jedoch wolle man den Papst nicht als Richter anerkennen, sondern das freie Konzil selbst.</p>
<p>Angesichts seines eigenen Bedenkens überrascht es nicht, dass Kurfürst Johann Friedrich das Gutachten zurückwies und die Theologen aufforderte ohne die Juristen ein neues Gutachten zu erstellen. Zugleich ließ der Kurfürst Luther durch Brück mitteilen, er wünsche von ihm ein Testament „der Religion halben“. Wohl angesichts des oben dargestellten labilen Gesundheitszustandes von Luther erbat sich der Kurfürst eine authentische Formulierung der Theologie Luthers. Bereits am 3. September teilte Brück dem Kurfürsten mit, Luther „sey schon in guther arbeidt“. Hier haben wir eine <em>erste Spur</em> der späteren Schmalkaldischen Artikel.</p>
<div id="attachment_1553" class="wp-caption alignright" style="width: 231px"><a href="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/11/442px-philipp-melanchthon-1559.jpg"><img class="size-medium wp-image-1553" title="442px-Philipp-Melanchthon-1559" src="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/11/442px-philipp-melanchthon-1559.jpg?w=221&#038;h=300" alt="" width="221" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Philipp Melanchthon - Gemälde von Lucas Cranach dem Jüngeren von 1559</p></div>
<p>Während Luther also offensichtlich recht zügig mit der Ausarbeitung des erbetenen theologischen Testaments begann, blieb der Auftrag für das zweite Gutachten der Theologen zunächst liegen, da Philipp Melanchthon Anfang September nach Süddeutschland abreiste und erst Anfang November zurückkehrte. In dieser Pause erreichte den Kurfürsten nun zwei Gutachten hessischer Theologen, die vom Besuch des Konzils abrieten, da es den Forderungen der Protestanten nicht entspreche; zudem schlugen „beide Bedenken die Abfassung eines gemeinsamen Bekenntnisses“ vor. Diese Gutachten mochten für Kurfürst Johann Friedrich der Anlass gewesen sein, seinerseits einen „Gedenkzettel“ zu verfassen, in dem er sich erneut gegen die Konzilsteilnahme aussprach und ein Gegenkonzil, das eventuell in Augsburg stattfinden sollte, erwog. Zugleich aber forderte er in diesem „Gedenkzettel“ nun Luther auf, „sein grundt vnd meynung mit gotlicher schriefft“ darzulegen und insbesondere jene Artikel zu benennen, bei denen er in einem Konzil „gedenkt zuberuhen vnd zupleiben“, bei denen man also „nit zuweichen“ dürfe. Zudem sollte Luther auch jene Artikel benennen, in denen „vmb Christlicher lieb willen, […] etwas konte ader mochte nachgegeben werden“. Luther wurde ferner angewiesen, diesen Text mit anderen Theologen zu beraten und ihn bis spätestens am 25. Januar 1537 dem Kurfürsten zukommen zu lassen.</p>
<p>Diese <em>zweite Spur</em> zeigt eine deutlich veränderte Aufgabenstellung: Der Kurfürst forderte also nun nicht länger ein allgemeines Bekenntnis, das als Luthers Testament angesehen werden konnte, sondern er wünschte angesichts des ausgeschriebenen Konzils eine Zuspitzung der Aussagen auf die Frage, wo man unumstößlich festbleiben müsse, und wo Spielräume für Kompromisse gegeben waren. Auch dass er Beratungen über diesen Text durch andere Theologen wünschte, zeigt die gegenüber der Anweisung vom August veränderte Zielrichtung.</p>
<p>Am 15. Dezember lud Luther einige ihm vertraute Theologen auf den 28. Dezember zu einer Aussprache über seine Artikel nach Wittenberg ein. Allein: die von ihm energisch vorangetriebene Arbeit an den Artikeln wurde am 18. Dezember jäh unterbrochen. Ein schwerer Herzanfall machte jede Weiterarbeit unmöglich. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Luther sehr ausführlich mit zahlreichen Schriftbelegen seine Sicht der Rechtfertigungslehre, der päpstlichen Messe, des Mönchtums, der Sünde oder der Buße – um nur einige zu nennen – dargelegt. Nachdem er wieder etwas genesen war, diktierte er die weiteren Artikel, die daher deutlich kürzer ausfallen. Die Besprechung am 28. Dezember brachte noch eine Änderung: Ein Artikel „Vom Heiligen anruffenn“ wurde noch eingefügt. Acht Theologen unterschrieben schließlich den Text, wobei Melanchthon die Einschränkung hinzufügte: Er halte vom Papst, „so ehr das Euangelium wolte zulassen, das yhm vmb fridens vnd gemeiner Einikeit willen […], sein Superioritet vber die Bischoue, die ehr hatt iure humano, auch von vns zuzulassen &lt;und zugeben&gt; sey“.</p>
<p>Luther übersandte – und hier haben wir die <em>dritte Spur</em> – schließlich am 3. Januar 1537 die Artikel samt Unterschriften an Kurfürst Johann Friedrich, der ihm bereits am 7. Januar überschwänglich dankte: Er sage „got dem almechtygen vatter vnd vnsserm hern christo danck, das er euch gesuntheyt vnd stercke ferligen, sulche artyckel so christlichen, reyn vnd lautter zu fertygen“.</p>
<p>Parallel zu diesen Vorgängen waren Luther, Justus Jonas, Philipp Melanchthon und einige weitere Theologen dem Auftrag für ein zweites Gutachten endlich nachgekommen. Allerdings kamen sie zu keinem anderen Ergebnis wie vier Monate zuvor: Sie rieten nicht nur zur Teilnahme an dem anstehenden Konzil, sie lehnten auch einmütig ein Gegenkonzil ab, da dieses „einen großen schrecklichen Schein [habe,] ein Schisma anzurichten“.</p>
<p>Nach einem Treffen zwischen den Hauptleuten des Schmalkaldischen Bundes, Kurfürst Johann Friedrich und Landgraf Philipp von Hessen, am 21. Dezember in Eisenach erging am 24. ein Einladungsschreiben an alle Mitglieder des Bundes. Am 2. Februar sollte in Schmalkalden ein Bundestag eröffnet werden, der sich primär mit dem Thema Konzil beschäftigen sollte.</p>
<p><em>2.3.         Die Verhandlungen in Schmalkalden</em></p>
<p>Anfang Februar 1537 machten sich Delegierte aus 18 Territorien und Städten auf den Weg nach Schmalkalden; begleitet von Melanchthon und Johannes Bugenhagen reiste Luther über Weimar, wo er am 4. Februar predigte, zum Tagungsort. Am 7. Februar trafen sie in Schmalkalden ein, drei Tage später kamen die Bundeshauptleute Johann Friedrich von Sachsen und Philipp von Hessen an. Auf dem Bundestag anwesend waren neben den Obrigkeiten über 30 Theologen, unter anderen Eberhard Schnepf für Württemberg, Ambrosius Blarer für Württemberg, Konstanz und Lindau, Veit Dietrich und Lukas Osiander für Nürnberg und Martin Butzer für Straßburg.</p>
<p>Am 10. Februar wurde der Bundestag mittags um 12 Uhr feierlich eröffnet. Dr. Gregor Brück, der sächsische Kanzler, legte in seinem Eingangsvotum dar, dass das angekündigte Konzil in den Augen der Fürsten „kein recht concilium“ sei. Die Theologen sollten „die zu Augspurg vbergebne Confession sampt der Appologj fur sich nemmen vnd daruon reden, Ob gott gnad verlichen wurde, das verhoffenlich etwas guts vnd fruchtpars vff dem Concilio mochte gehandelt vnd der gegenthail dahin zupringen sein, das sy gottes wort by inen offentlich vnd vnuerhindert predigen vnd darnach leben liessen“. Entscheidend an diesen Ausführungen ist, dass Brück nicht Luthers Artikel, sondern die Confessio Augustana und die Apologie als Grundlage der Beratungen herausstelle. Zu diesem Zeitpunkt war allenfalls die Existenz eines Textes von Luther allgemein bekannt, nicht aber dessen Inhalt – diese <em>4. Spur</em> ist demnach ehe als „Nicht-Spur“ anzusehen.</p>
<p>Dies zeigt eindrücklich ein Bericht über ein Zusammentreffen Melanchthons mit Philipp von Hessen am Abend des 10. Februar, das uns die <em>fünfte Spur</em> legt. Melanchthon informierte den Landgrafen über Luthers Artikel und wies darauf hin, dass sie eine gegenüber der Wittenberger Konkordie verschärfte Fassung des Abendmahlsartikels enthalte; diese sei „etwas heftig gestalt“. Die von Luther gewählte Formulierung könne, so Melanchthon, zu Schwierigkeiten mit den Oberdeutschen führen.</p>
<p>Die Delegierten der Oberdeutschen waren mit dem festen Vorsatz nach Schmalkalden gereist, kein neues Bekenntnis zu verabschieden. Daher hatten sich die Städtevertreter in einer separaten Beratung am 11. Februar morgens auch darauf verständigt, keine theologischen Fragen zu diskutieren. Allerdings war diese Position nicht zu halten. Die Fürsten beharrten in einer am Nachmittag angesetzten Versammlung auf eben solchen Beratungen. Man kam schließlich überein, dass die anwesenden Theologen die Confessio Augustana und die Apologie „mit satten und unwidersprechlichem grund der hailigen gottlichen gschrifft (och der vetter und alter concilien decreten) bevestnen und dieselbigen spruch der gschrift zusammen tragen“ sollten, damit man für ein Konzil gewappnet wäre.</p>
<p>Die Theologen trafen sich daraufhin am 12. Februar zu einer ersten Sitzung, um dem erteilten Auftrag nachzukommen; Melanchthon schlug vor, einem Ausschuss die Erarbeitung eines entsprechenden Papiers zu übertragen, das dann wiederum von allen diskutiert werden sollte. Dieser Ausschuss traf sich noch am selben Tag. Da Luther gesundheitlich angeschlagen war, versammelte man sich in dessen Quartier. Auch Luther machte deutlich, dass die Basis der Beratungen die Confessio Augustana sei – seinen Text erwähnte er nicht einmal, womit diese <em>sechste Spur</em> ins Leere führt! Der Austausch schritt gut voran, noch beim ersten Treffen wurden die Artikel 1 bis 9 der Confessio durchgesprochen. Zudem verständigte man sich auf die Einsetzung eines fünfköpfigen Unterausschusses, der die Frage der „gewalt des bapsts“ näher erörtern sollte, da diese im Augsburgischen Bekenntnis nicht thematisiert war.  Allerdings verfasste Melanchthon dann allein einen Traktat über die Gewalt des Papstes.</p>
<p>Am 17. Februar fand die zweite Sitzung aller Theologen statt, die unter anderem den Text Melanchthons über das Papsttum diskutierte; zugleich erhielten die Theologen nun auch Kenntnis von Luthers Artikeln; sie wurden ihnen zur Abschrift vorgelegt. Erst zu diesem relativ späten Zeitpunkt – und hier haben wir die <em>siebte Spur</em> – wurde demnach der Text Luthers allgemein bekannt – nicht als Diskussionsgrundlage, wohl aber als Impuls für die laufenden Beratungen. Denn mit der Weigerung der Städte, irgendwelche neuen Lehrartikel zu beraten, war offensichtlich, dass Luthers Text nicht mehr „als mögliche Bekenntnisurkunde […] durchsetzbar“ war, wie es Johann Friedrich vielleicht geplant haben mochte.</p>
<p>Während dieser Beratungen der Theologen waren auf Seiten der Delegierten wichtige Vorentscheidungen gefallen: Am Nachmittag des 15. Februar hatte der kaiserliche Gesandte Matthias Held für eine Beschickung des Konzils geworben. Doch die Mitglieder des Schmalkaldischen Bundes verständigten sich rasch auf eine Ablehnung: „die stendt [seien, so hieß es im Entwurf eines Antwortschreibens,] den merern tail ainig, das sollich parteisch concilion nicht zu besuchen“ sei. Da diese Entscheidung, die Held am 24. eröffnet wurde, weitreichende Folgen haben konnte, unterrichteten die Delegierten ihre Obrigkeiten, sie möchten „ir kriegsvolck […] mit nichten [fremden Herrschern, beispielsweise dem Kaiser] zulaufen lassen, sondern die anhaim behalten“. Bereits am 16. Februar war also eine Vorentscheidung gefallen, die auch Auswirkung auf die Theologen hatte. Deren Arbeit war nun bei weiten nicht mehr so dringlich, wie sie es bei einem Konzilsbesuch gewesen wäre. Entscheidend war nunmehr, diese Ablehnung der Teilnahme zu begründen, und nicht länger Überlegungen, wie man auf einem Konzil die eigene Theologie vertreten sollte.</p>
<p>Trotz dieser Entwicklung trafen sich die Theologen am 23. Februar erneut. Sie wurden vormittags offiziell von der Ablehnung der Konzilsbeschickung unterrichtet und ihnen blieb keine andere Wahl als diese Entscheidung zu akzeptieren, obwohl sie mehrheitlich für eine Teilnahme am Konzil waren. Am Nachmittag berieten sie – obwohl Luther nicht teilnehmen konnte wie es vor allem Melanchthon gewünscht hatte – die übrigen Artikel des Augsburger Bekenntnisse sowie insbesondere – jetzt auch unter Hinzuziehung von Luthers Text, die <em>achte Spur</em>, – Artikel 10 „Vom heiligen Abendmahl“. Dabei kam es zwischen Butzer und Osiander zu einem so heftigen Disput, dass Osiander Butzer am folgenden Tag um Verzeihung bat. Auch Ambrosius Blarer äußerte sich kritisch zu Luther Fassung. In diesem Zusammenhang tauchte dann der Vorschlag auf, dass die Theologen ihre Zustimmung zu Luthers Artikel durch ihre Unterschrift bekunden sollten. Am darauffolgenden Tag kamen man überein, da Luther „seine artikel fur sein eigen person gestelt, wolt man niemandts dringen, die selben zu under­schrei­ben, sonder zu jedes freien willen haimstell[en]“. Schließlich unterzeichneten 25 Theologen Luthers Artikel und bekundeten damit ihre persönliche Übereinstimmung mit diesem Text – und legen uns die <em>neunte Spur</em>. Im Gegensatz hierzu unterschrieben alle anwesenden 33 Theolo­gen Melanchthons „Tractatus de potestate et primatu papae“ (Blarer unterzeichnete am 26.2. noch nachträglich ) sowie die Confessio Augustana.</p>
<div id="attachment_1557" class="wp-caption alignleft" style="width: 123px"><a href="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/11/lutherhaus_2201.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-1557" title="Lutherhaus_220" src="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/11/lutherhaus_2201.jpg?w=113&#038;h=150" alt="" width="113" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Lutherhaus Schmalkalden - Herberge des Reformators</p></div>
<p>Dass Luthers Artikel eher eine Nebensolle spielten, lag auch an dessen Gesundheitszu­stand. Ein Harnsteinleiden plagte ihn so sehr, dass er nur sporadisch an den Beratungen teilnehmen konnte. Bereits am 8. Februar war ein Stein abgegangen und ab dem 19. Februar konnte er keinen Harn mehr lassen. Als sein Zustand ab 25. Februar zunehmend kritisch wurde, fürchtete Luther, bald sterben zu müssen. Er machte sich daher am folgenden Tag auf dem Rückweg nach Wittenberg. Dies rettete ihm wohl das Leben: Die Erschütterungen auf den schlecht ausgebauten Straßen lösten einen Stein, so dass er in seinem ersten Nachtquartier in Tambach endlich wieder Harn lassen konnte. Am 27. Februar erreichte Luther dann immer noch schwer krank Gotha; erst als am 1. März abends sechs Steine – „einer davon bohnengroß“ – abgingen, stellte sich langsame Besserung ein.</p>
<p>Der offizielle Abschied der Bundesversammlung trägt das Datum des 6. März und stellte unter anderem heraus, die Theologen seien durch Gottes Gnade „einhellig­lichen mit ainander vbereinkommen in allen punkten vnd Artikeln, inmaßen vnser confession vnd Apologia“, zudem wurde Melanchthons Traktat über den Papst als Bekenntnisschrift ausdrücklich als Ergänzung der Confessio Augustana aufgeführt.</p>
<p><em>2.4           Die Absage des Konzils</em></p>
<p>Die Absage der Protestanten war sicher nicht dafür ausschlaggebend, dass das Konzil letztlich nicht stattfand. War es aufgrund von Differenzen zwischen Papst Paul III. und Herzog Federigo Gonzaga von Mantua am 20. April 1537 noch verschoben worden, so verfügte die Bulle „Romanus Pontifex“ vom 25. April 1538 eine Vertagung auf unbestimmte Zeit. Erst sieben Jahr später, am 13. De­zember 1545, wurde schließlich das lange erwartete und erhoffte Konzil in Trient eröffnet.</p>
<p><strong>3.         Die Schmalkaldischen Artikel – Bedeutung für heute?</strong></p>
<p>Luthers Artikel, die allgemein unter der Bezeichnung „Schmalkaldische Artikel“ bekannt sind, wurden durch den Bundestag also weder ausführlich beraten noch als Bundesbekenntnis approbiert. Die <em>zehnte Spur</em> führt zum ersten Druck der Artikel: Luther sah sie als eine Privatarbeit Luthers an und brachte sie im Juni 1538 zum Druck. In seiner Vorrede gab er fälschlicherweise an, dass diese „auch von den vnsern angnomen vnd eintrechtiglich bekennet vnd beschlossen“ wurden, damit man sie bei einem Konzil gegebenenfalls „offentlich vberantworten vnd (als) vnsers glaubens bekenntnis fu(e)rbringen“ könne. Weitere Drucke und insbesondere die Hochschätzung, die die Artikel bei Kurfürst Johann Friedrich fanden, trugen zu deren Verbreitung bei. Da sie als „bündige und letztgültige Formulierung lutherischer Lehre“ ange­se­hen wurden, fanden sie zunehmende Akzeptanz: In Halle wurden sie – <em>Spur 11</em> – 1541 Teil der von Justus Jonas verfassten Kirchenordnung und auch die Kirchenordnungen von Magdeburg (1552) oder von Pfalz-Zweibrücken (1557) zählten sie zu den Bekennt­nisschriften (1560 befahl der Hamburger Rat, dass die Prediger der Stadt unter anderem auch in Übereinstimmung mit den Schmalkaldischen Artikeln zu lehren hätten. Auf einem Konvent niedersächsischer Städte, der 1561 in Lüneburg stattfand, wurden die Artikel in das Corpus Doctrinae aufgenommen und im Folgenden finden sie sich in zahlreichen weiteren Kirchenordnungen). Endgültig in den Rang einer allgemein anerkannten Bekenntnisgrundlage stiegen die Artikel 1580 auf, als sie Aufnahme in das lutherische Konkordienbuch fanden und daher noch bis heute zur Glaubensgrundlage lutherischer Kirchen weltweit gehören.</p>
<p>Heute scheinen Luthers Artikel kaum mehr von Bedeutung zu sein; ich wage fast zu behaupten, selbst viele Theologinnen und Theologen kennen diesen Text kaum. Dies hängt sicher damit zusammen, dass Luther in diesen Artikeln ganz pointiert seine Sicht in scharfer Abgrenzung zur römischen Kirche darstellte – dies scheint heute nicht mehr opportun. Heute setzt man nicht auf Abgrenzung, sondern auf Gemeinschaft, Zusammenarbeit:</p>
<ul>
<li>da wurden in den 1960er Jahre von evangelischen und katholi­schen Gemeinden gemeinsam genutzte Zentren gebaut,</li>
<li>da wurden 1968 die Texte des Vater-Unser und 1971 des Glaubensbekenntnisses angeglichen,</li>
<li>eine gemeinsame Erklärung hat 1999 sogar Übereinstimmung in der Rechtfertigungslehre festgehalten,</li>
<li>EKD und Katholische Bischofskonferenz erlassen gemeinsame Denkschriften beispielsweise 2003 zu „Sterbebegleitung und Sterbehilfe“,</li>
<li>da gibt es Gemeindepart­nerschaften zwischen evangelischen und katholischen Gemeinden,</li>
<li>ja selbst eine gemeinsame Einladung der Rheinischen Kirche und der Diözese Trier zur Heilig Rock Wallfahrt nach Trier 2012 ist heute möglich.</li>
</ul>
<p>Ist diese Entwicklung zu beklagen? Sicher nicht! Die Zusammenarbeit der christlichen Kirchen ist in einer Zeit der weit fortgeschrittenen Säkularisierung unzweifelhaft notwendig und geboten.</p>
<p>Aber darf man darüber seine eigenen Traditionen außer Acht lassen?</p>
<p>Ich denke, die Entstehungsgeschichte der Schmalkaldischen Artikel kann uns daran erinnern, dass man die eigenen Traditionen kennen sollte. Nur eine eigene klare Position eröffnet nämlich die Möglichkeit, sich dem Anderen zuzuwenden; nur so können ehrliche und tragbare Kompromisse gefunden werden, in denen sich beide wiederfinden können.</p>
<p>Als erste Folgerung aus den Ereignissen in Schmalkalden würde ich festhalten, dass es unabdingbar ist, ein solides Wissen über den Glauben zu vermitteln. Hierbei hat das Elternhaus, aber auch der Konfirmandenunterricht oder der Religionsunterricht eine besondere Aufgabe. So wichtig das gesellschaftliche Miteinander, so entschieden heute vielfach das Erleben von Gemeinschaft oder die Ausbildung eines sozialen Gewissens sein mag, die Vermittlung elementaren Sachwissens darf darüber nicht zu kurz kommen.</p>
<p>Ein zweiter Bereich, betrifft das innerprotestantische Miteinander. In Schmalkalden konnte dies seinerzeit zwischen nieder- und oberdeutschen Theologen – wenn auch mit großen Spannungen – Aufrecht erhalten werden. Dennoch machten die theologischen Differenzen bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts hinein beispielsweise einen gemeinsamen Abendmahlsgottesdienst von Lutheranern und Reformierten kaum möglich. Diese Trennung ist heute überwunden. Durch die 1973 verabschiedete Leuenberger Konkordie wurde ein grundsätzlicher Konsens bei Fortbestehen des Dissenses zwischen den lutherischen und reformierten Kirchen festgehalten. Die Differenzen des 16. Jahrhunderts sind zwar nicht ausgeräumt, doch sie sind nicht kirchentrennend: Lutheraner und Reformierte können gemeinsam Abendmahl feiern oder erkennen gegenseitig die Ordination an.</p>
<p>Auch mit der römisch-katholischen Kirche – und das wäre der dritte Bereich, den ich ansprechen möchte – gab und gibt es verheißungsvolle Ansätze für eine theologisch verantwortbare Verständigung, doch zugleich ergeben sich immer wieder zum Teil gravierende Dissonanzen und Irritationen (vgl. Dominus Jesus von 2000: die protestantischen Kirchen werden „nur“ als „kirchliche Gemeinschaften“ und nicht als Kirchen angesehen).</p>
<p>Derzeit diskutiert man in der Öffentlichkeit, ob und ggf. inwieweit die Römisch-katholische Kirche am Reformationsjubiläum 2017 beteiligt werden kann.</p>
<p>Soll und kann man also Luthers Thesenanschlag ökumenisch begehen?</p>
<p>Weshalb eigentlich nicht – möchte ich zurückfragen, um freilich sogleich ein „Aber“ anzufügen. Ein Beteiligung der Katholiken kann natürlich nicht dazu führen, dass einzelne Punkte, die die Kirchen bis heute trennen, nicht oder nur hinter vorgehaltener Hand angesprochen werden.</p>
<p>Der Thesenanschlag 1517 galt dem Ablass – gut, dieses Thema mag heute nicht mehr im Zentrum des Interesses stehen, aber Fakt ist, dass der Ablass in der katholischen Kirche immer noch geltende Lehre ist. Während dieser Punkt vielleicht zurücktreten kann, darf dies ein anderer keinesfalls: das Amts- und damit auch das Kirchenverständnis sind die Hürden, die momentan nicht bewältigbar erscheinen. Luther hatte in den Schmalkaldischen Artikeln formuliert: „Denn es weiß gottlob ein Kind von 7 Jahren, was die Kirche sei, nämlich die heiligen Gläubigen und ‚die Schäflin, die ihres Hirten Stimme hören‘“ und, so betont Luther, eben nicht „Chorhembden, Platten, langen Rocken und andern ihren Zeremonien“.</p>
<p>Ganz abgesehen davon, dass heute wohl kaum mehr ein Kind von sieben Jahren, weiß, was die Kirche ist – ich erinnere an das zuvor zum Wissen Ausgeführte –, gemahnt uns dieser Satz, das unaufgebbare Proprium protestantischer Lehre im Blick zu behalten: Kirche zeigt sich weder in Äußerlichkeiten, noch in der Gegenwart eines Amtes, Kirche ist immer da, wo Gottes Wort gepredigt wird! Und da allen Getauften dies Wort anvertraut ist, haben wir auf darauf zu achten, dass das Priestertum aller Gläubigen nicht zu einem hohlen Begriff verkommt.</p>
<p>So wie die seinerzeit in Schmalkalden Versammelten Flagge zeigten und ihre Position deutlich herausstellten, so sollten auch wir heute auf unseren wichtigen und zentralen Identitätsmerkmalen beharren, beispielsweise im Blick auf das Kirchenverständnis. Im Gegensatz freilich zu den in Schmalkalden versammelten Obrigkeiten sollten wir uns heute einem Gespräch nicht entziehen, sondern alles daran setzen, um zu einer Zusammenarbeit und Verständigung mit unseren römisch-katholischen Schwestern und Brüder zu gelangen: auch beim Reformationsjubiläum 2017.</p>
<p><em>Zum Autor: Prof. Dr. Siegfried Hermle ist seit 2001 Professor für historische Theologie am Institut für Evangelische Theologie an der Universität zu Köln. Er wurde 1955 in Ludwigsburg geboren. Nach seinem Studium in Tübingen und München (1976-1982) war er u.a. Repetent am Evangelischen Stift in Tübingen, Assistent am Lehrstuhl für Kirchenordnung ebendort sowie als Pfarrer mehrere Jahre tätig.</em></p>
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		<title>Interdisziplinäres Symposium „Bach als Lutheraner“</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Nov 2011 13:48:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robert Eberhardt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kulturleben]]></category>

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		<description><![CDATA[24.-28.02.2012 in Eisenach, veranstaltet von der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen von Anja Conrad Das im Jahr 2017 anstehende Reformationsjubiläum wirft seine Schatten weit voraus. Seit 2009 wird mit jährlichen Schwerpunktthemen auf das anstehende Großereignis aufmerksam gemacht, so dass auch das Jahr 2012 unter dem Thema „Reformation und Musik“ an musikalischen Veranstaltungen sicher nicht darben [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=kulturerbethueringen.wordpress.com&amp;blog=19544436&amp;post=1531&amp;subd=kulturerbethueringen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5>24.-28.02.2012 in Eisenach, veranstaltet von der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen</h5>
<p><em>von Anja Conrad</em><br />
<a href="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/11/008_foto_wartburg-stiftung-eisenach2.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-1540" title="008_Foto_Wartburg-Stiftung Eisenach" src="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/11/008_foto_wartburg-stiftung-eisenach2.jpg?w=150&#038;h=112" alt="" width="150" height="112" /></a></p>
<p>Das im Jahr 2017 anstehende Reformationsjubiläum wirft seine Schatten weit voraus. Seit 2009 wird mit jährlichen Schwerpunktthemen auf das anstehende Großereignis aufmerksam gemacht, so dass auch das Jahr 2012 unter dem Thema „Reformation und Musik“ an musikalischen Veranstaltungen sicher nicht darben wird. &#8211; Warum also noch eine Veranstaltung zu diesem Thema, zu Luther und Bach? <span id="more-1531"></span></p>
<p>Das Symposium „Bach als Lutheraner“ setzt sich zum Ziel, nicht nur Theologie und Musik interdisziplinär zu vereinen, sondern auch einen kreativen Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis in beiden Fachbereichen zu ermöglichen. Das Anliegen der Veranstalter ist es, dass akademischer Diskurs und Reflexion gerade nicht im Elfenbeinturm verharren, sondern mit praktischer Erfahrung verknüpft und vermittelt werden. Neben Vorträgen und Workshops mit musikalischem und/oder theologischem Schwerpunkt werden daher auch Gottesdienste und öffentliche Konzerte mit alter und neuer Musik angeboten. Mit seinen historischen Bach- und Lutherstätten bietet der Veranstaltungsort Eisenach zudem den idealen Rahmen für ein solches Vorhaben. Sowohl bei Führungen als auch in den freien Zeiten besteht deshalb die Möglichkeit, die Stadt und ihr kirchen- wie musikgeschichtliches Erbe näher kennen zu lernen. – Martin Luther und Johann Sebastian Bach waren auf je eigene Weise entscheidende Impulsgeber für die europäische Musikkultur. Dieses Erbe soll in Eisenach nicht nur wahrgenommen und benannt, sondern erprobt, erlebt und weitergeführt werden.<br />
„Ist Bach ein Lutheraner?“</p>
<p>Johann Sebastian Bach genießt nicht allein als Schöpfer musikalischer Werke und als Vollender barocker Kompositionskunst größtes Ansehen über kulturelle Grenzen hinweg, er gilt vielen als der „fünfte Evangelist“ (N. Söderblom), mindestens aber als ein Bibelinterpret höchsten Ranges. Seine Interpretationen der biblischen Texte basieren zunächst auf seiner persönlichen Frömmigkeit. Zugleich aber erfolgen sie von einer reflektierten theologischen Grundlage aus, die bis in die Einzelheiten seiner Kompositionen hinein wahrzunehmen ist. Doch worin genau besteht diese Grundlage – im pietistischen Denken mancher Librettisten, in der reformatorischen Theologie, die den immer wieder eingesetzten Chorälen zugrunde liegt, in der lutherischen Prägung, die aus der verwendeten Bibelübersetzung erwächst, in der lutherischen Orthodoxie oder in der Mystik? Wie ist sein Verhältnis zur lutherischen Gestalt der Reformation zu bestimmen – ist Bach ein Lutheraner? Und, wenn ja, wie sieht seine Interpretation lutherischer Theologie aus?</p>
<p><strong>Einblicke ins Programm<br />
</strong></p>
<div id="attachment_1544" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/11/mj070426amarcord1807_-foto_martin-jehnichen1.jpg"><img src="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/11/mj070426amarcord1807_-foto_martin-jehnichen1.jpg?w=300&#038;h=199" alt="" title="Ensemble Amarcord" width="300" height="199" class="size-medium wp-image-1544" /></a><p class="wp-caption-text">Ensemble AMARCORD (Foto: Martin Jehnichen)</p></div>
<p>Das Symposium unternimmt es, unter Beteiligung vieler hervorragender Kenner Bachscher Musik und Lutherscher Theologie, diesen Fragen auf unterschiedlichen Wegen nachzugehen. So besteht das Programm täglich aus Vortrag, Workshop bzw. Besichtigung und abendlichem Konzert. Hinzu kommen Andachten, ein Kantatengottesdienst mit Möglichkeit zum Mitsingen und weitere, täglich wechselnde Veranstaltungen. Vormittags soll der „Kaffee“ nach jedem Vortrag dazu dienen, in lockerer Atmosphäre mit den Referenten noch einmal ins Gespräch zu kommen. Ein musikalisches Anliegen des Symposiums ist die Verknüpfung des überlieferten Erbes mit unserer heutigen Musikkultur. So beteiligt sich u.a. die Lippmann+Rau-Stiftung mit einem Konzert und einem Workshop zur Rezeption Bachscher Musik in Jazz- und Popularmusik. Einen weiteren Brückenschlag von Bachs Passionswerken und Luthers Kreuzestheologie in die Moderne unternimmt die Aufführung von Henning Frederichs „Passionserzählung der Maria Magdalena“ (1985) durch die Meißner Kantorei 1961 unter Leitung von Christfried Brödel. Hinsichtlich der Orgelmusik wird der „Dritte Theil der Clavierübung“ eine zentrale Rolle spielen. Ihm widmet sich sowohl ein Workshop unter Leitung von Prof. Christoph Bossert in der Georgenkirche Eisenach als auch ein Konzert mit Studierenden der Meisterklasse Christoph Bosserts an der historischen Trost-Orgel (1730/55) in Waltershausen. Hinzu kommen Veranstaltungen zu Bachs Kantatenwerk sowie Führungen durch Sonderausstellungen im Bachhaus („Bach, Luther und die Musik“) und im Lutherhaus. Auch Führungen durch Eisenach und auf der Wartburg als zentralen Orten der Reformation können wahrgenommen werden. Für das Festkonzert am 26.02.2012 konnte zudem das international renommierte Vokalensemble »amarcord« gewonnen werden. Den Abschluss bildet schließlich das Ballettensemble des Landestheaters Eisenach mit einer getanzten Version von Bachs „Kunst der Fuge“.</p>
<p><strong>Zielgruppen</strong></p>
<div id="attachment_1542" class="wp-caption alignleft" style="width: 209px"><a href="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/11/bachhaus_auc2b7enansicht_foto-ulrich-kneise.jpg"><img class="size-medium wp-image-1542" title="Bachhaus_Au·enansicht_Foto Ulrich Kneise" src="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/11/bachhaus_auc2b7enansicht_foto-ulrich-kneise.jpg?w=199&#038;h=300" alt="" width="199" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Bachhaus Eisenach (Foto: Ulrich Kneise)</p></div>
<p>Die Tagung wendet sich an alle fachlich interessierten und versierten Liebhaber Bachscher Musik, sowie aus beruflicher Perspektive an Pfarrer und Pastorinnen, an neben- und hauptberufliche Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker sowie Musikwissenschaftler/innen und Studierende der entsprechenden Fachrichtungen.</p>
<p>In besonderem Maße soll das Symposium eine Möglichkeit zum interdisziplinären Dialog bieten. Die Kenntnisse von Theologen und Musikern im jeweils anderen Fachgebiet erweisen sich häufig als unzureichend. Selten bietet sich eine Gelegenheit zum ungezwungenen und kreativen Austausch. Doch ist zum Beispiel gerade für Gemeindeleben und Gottesdienst ein funktionierender fachlicher Dialog von Theologie und Musik unabdingbar und soll u.a. durch diese Veranstaltung gefördert werden.<br />
Da die Raumkapazitäten in Eisenach nur eine begrenzte Teilnehmerzahl zulassen, empfiehlt sich eine frühzeitige Anmeldung (Anmeldeschluss: 22.01.2012). Weitere Informationen zu den Referenten, den Musikern, zum Programm und zur Anmeldung sind im Flyer und auf der Homepage <a href="http://www.bach-als-lutheraner.de">www.bach-als-lutheraner.de</a> ersichtlich.</p>
<p><em>Zur Autorin: Anja Conrad ist Kirchenmusikerin und Studierende im Aufbaustudiengang Liturgiewissenschaft an der FSU Jena. Als Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Praktische Theologie ist sie für die Organisation des Symposiums zuständig.</em></p>
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		<item>
		<title>Berlin als &#8222;Deutschlands Paris&#8220; &#8211; oder doch eher Weimar?</title>
		<link>http://kulturerbethueringen.wordpress.com/2011/09/09/berlin-als-deutschlands-paris-oder-doch-eher-weimar/</link>
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		<pubDate>Fri, 09 Sep 2011 14:37:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robert Eberhardt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kulturleben]]></category>

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		<description><![CDATA[von Prof. Dr. Hans Ulrich Gumbrecht Kann Weimar nichts anderes sein als ein historisches Freilichtmuseum, von dessen provinziellem Rhythmus man sich als entsprechend gestimmter Bildungstourist gerne in die Zeit von Goethe, Schiller und Wieland tragen lässt? Was gäbe es für die kulturelle Zukunft Deutschlands von Weimar zu lernen? Und welche Alternative bietet es zu den [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=kulturerbethueringen.wordpress.com&amp;blog=19544436&amp;post=1370&amp;subd=kulturerbethueringen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Prof. Dr. Hans Ulrich Gumbrecht</em></p>
<div id="attachment_1386" class="wp-caption alignleft" style="width: 94px"><a class="thickbox" href="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/09/gumbrecht2.jpg"><img class=" wp-image-1386    " title="Hans Ulrich Gumbrecht" src="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/09/gumbrecht2.jpg?w=84&#038;h=109" alt="" width="84" height="109" /></a><p class="wp-caption-text">Hans Ulrich Gumbrecht, Professor in Stanford</p></div>
<p><em></em>Kann Weimar nichts anderes sein als ein historisches Freilichtmuseum, von dessen provinziellem Rhythmus man sich als entsprechend gestimmter Bildungstourist gerne in die Zeit von Goethe, Schiller und Wieland tragen lässt? Was gäbe es für die kulturelle Zukunft Deutschlands von Weimar zu lernen? Und welche Alternative bietet es zu den hauptstadtzentristischen Tendenzen unserer Gegenwart? Darüber denkt Hans Ulrich Gumbrecht im folgenden Beitrag historisch und anregend nach.<em><span id="more-1370"></span></em></p>
<p>Hinter dem Namen &#8222;Berliner Republik,&#8220; den sich das nach 1989 entstandene Deutschland gerne gibt, liegt eine eigenartige, potentiell befremdliche Vorgeschichte. Natürlich stellt der Name eine Unterscheidung und zugleich eine Verbindung her zur &#8222;Weimarer Republik&#8220; der zwanziger Jahre, die, zumindest was die Kultur angeht, heute national und international hoch ihm Kurs des historischen Gedächtnisses steht. Entstanden ist die Bezeichnung &#8222;Weimarer Republik&#8220; allerdings aus genau entgegengesetzter Perspektive. Während man in den zwanziger Jahren zunächst ausschließlich von der &#8222;Weimarer Verfassung&#8220; sprach, welche die verfassungsgebende Nationalversammlung nach der Niederlage des Ersten Weltkriegs 1919 in Weimar erarbeitet und zur Institutionalisierung gebracht hatte, wurde der Ausdruck &#8222;Weimarer Republik&#8220; erst viel später und mit verächtlichem Unterton zunächst im Kontext der wirtschaftlichen und politischen Krise vor 1930 gebraucht &#8211; und zwar von Politikern der extremen Rechten (unter ihnen natürlich Adolf Hitler), die das politische System ihrer Zeit der Verbindung mit dem Namen der Hauptstadt nicht für wert hielten. Nur zögernd ließen sich damals die republikfreundlichen Medien auf den für uns selbstverständlich gewordenen Namen ein.</p>
<p>Schwächesymptome dieser Art sind für die Berliner Republik des späten zwanzigsten und des frühen einundzwanzigsten Jahrhunderts glücklicherweise undenkbar geblieben. National scheinen sich die Bedenken jener knappen Minderheit mittlerweile ganz verflüchtigt zu haben, die einst für ein Festhalten an Bonn als Bundeshauptstadt argumentierte. Als Außenstehender gewinnt man sogar den Eindruck, dass die Deutschen nun schon viele Jahre geradezu gerührt sind von der Wahl einer Hauptstadt, zu der sie sich ohne Ambivalenzen bekennen wollen. Ein nationalspezifischer Nachholbedarf aus einer Epoche, die eigentlich hinter uns liegen sollte, scheint noch immer nicht gestillt. International erfreut sich Berlin ohnehin, zumal bei den jüngeren Generationen vieler Kontinente und Länder (zu denen erstaunlicherweise auch und gerade Israel gehört), einer Begeisterung, für die manchmal die Gründe, nie aber die Worte fehlen.</p>
<div id="attachment_1405" class="wp-caption aligncenter" style="width: 540px"><a class="thickbox" href="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/09/img_03582.jpg"><img class="size-full wp-image-1405 " title="Berlin" src="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/09/img_03582.jpg?w=535" alt=""   /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Kulturell bemerkenswert wurde die Stadt eigentlich erst im Jahr 1811, mit der Gründung der heutigen Humboldt-Universität.&quot;</p></div>
<p>Die nicht mehr ganz neue Hauptstadt mag sich also auf dem Weg einer Entwicklung befinden, an dessen Ende sie zu &#8222;Deutschlands Paris&#8220; würde. Dann wäre Berlin jene Stadt, die alle anderen Städte des Landes in jeder Hinsicht zur &#8222;Provinz&#8220; herabstufte. Längst ist jedenfalls die Chance verspielt, wenigstens einige der Dezentralisierungs-Dynamiken aus der alten Bundesrepublik zu erhalten. Eher arbeiten die Deutschen bienenfleißig und konsequent (bewusst oder vorbewusst) für Berlin am &#8222;Modell Paris&#8220; &#8212; und selbst eine elliptische Zwei-Polarität wie &#8222;Rom / Mailand,&#8220; &#8222;Madrid / Barcelona,&#8220; oder &#8222;Moskau / Sankt Petersburg&#8220; steht ganz außer Frage.</p>
<p>Bei soviel nationalem und internationalem Berlin-Enthusiasmus wird fast immer übersehen, dass diese absolut zentripetale Bewegung eine absolute Neuerung für die deutsche Geschichte ist. Noch im frühen neunzehnten Jahrhundert beobachtete die französische Autorin Germaine de Stael verwundert und zugleich mit Bewunderung, dass die bedeutendsten europäischen Philosophen und Künstler ihrer Zeit in Deutschland &#8222;hinter Butzenscheiben&#8220; lebten &#8211; und meinte (neben Weimar) kleine, schon damals berühmte Universitätsstädte in den deutschen Ländern, wie Göttingen und Marburg, Tübingen und Heidelberg. Auch für diese Auslagerung des akademischen Lebens von der Hauptstadt gibt es mindestens ein funktionierendes Modell in der europäischen Tradition, und das ist natürlich die Rolle, welche Oxford und Cambridge als dominierende Universitätsstädte heute in Großbritannien so selbstbewusst wie je spielen. Aber selbst dieses deutsch-akademische Erbe, weiß jeder, der mit den einschlägigen Förderungspraktiken des Bundes und den Berufungsentscheidungen der Professoren vertraut ist, wird bald dem Berlin-Sog anheimgefallen sein.</p>
<p>Historische Legitimität für diese beinahe alternativenlos gewordene Präferenz, die Berlin inzwischen unter der Hand auch zur Kulturhauptstadt gemacht hat, gibt es eigentlich nicht, denn kulturgeschichtlich gesehen ist Berlin allenfalls exzentrisch für eine Hauptstadt &#8212; und eben deshalb interessant, aber keinesfalls zu vergleichen mit Paris, Rom oder London. Kulturell bemerkenswert wurde die Stadt eigentlich erst im Jahr 1811, mit der Gründung der heutigen Humboldt-Universität, die sich rasch zu einem einflussreichen Zentrum der Philosophie und wenig später auch (und vor allem) zu einem Ort bahnbrechender naturwissenschaftlicher Entdeckungen entwickelte. Die von wirtschaftlicher Not und politischer Instabilität bedrohten Zwanziger Jahre waren &#8211; bis in unsere Gegenwart &#8211; die einzige zeitliche Spanne, in der Berlins kulturelle Produktivität weltweite Aufmerksamkeit genoss und deshalb neben Wissenschaftlern auch Autoren und Künstler aus vielen anderen Ländern faszinierte. In dieser Hinsicht ist es emblematisch, dass Josephine Bakers Weltkarriere in Berlin &#8211; und eben nicht in Paris &#8211; begann. Bald aber wurde die Stadt zum Opfer der von den Nationalsozialisten verhängten intellektuellen Lähmung, aus der sie sich während der vierzig Jahre der Teilung, so gut es ging, herausarbeitete &#8212; mit der Künstlichkeit einer von außen erhaltenen kapitalistischen Enklave und mit der Behäbigkeit einer sozialistischen Metropole. Es ist also nicht überraschend, wenn das Berlin der Berliner Republik auf internationaler Ebene manchmal Mühe hat, all den kulturellen Erwartungen zu entsprechen, die der übereifrige nationale Berlin-Enthusiasmus entfacht.</p>
<p><strong>Thüringen &#8211; kreatives Refugium des 21. Jahrhunderts?</strong></p>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a class="thickbox" href="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/09/paris9-494.jpg"><img class="size-medium wp-image-1379" title="Goethehaus" src="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/09/paris9-494.jpg?w=200&#038;h=300" alt="" width="200" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Provinzialität zwingt die Intellektuellen und Künstler zur Konzentration&quot;</p></div>
<p>Könnte Weimar &#8211; zum Beispiel &#8211; eine Alternative werden, die das Potential hat, an Besonderheiten der deutschen Kulturgeschichte anzuknüpfen? Wer die thüringische Stadt, die von ihrem Habitus ja immer eine Kleinstadt bleiben wird (und will), auch nur oberflächlich kennt, der weiß, dass die Frage rhetorisch bleiben muss. Denn bei aller gutgemeinten und im Rahmen des Möglichen ja auch gelungenen Förderung kann Weimar nichts anderes sein als ein historisches Freilichtmuseum, von dessen provinziellem Rhythmus man sich als entsprechend gestimmter Bildungstourist gerne in die Zeit von Goethe, Schiller und Wieland tragen lässt. Trotzdem gäbe es für die kulturelle Zukunft Deutschlands einiges zu lernen von Weimar.</p>
<p>Man muss dort sein, um sich deutlich zu machen, dass während des halben Jahrhunderts zwischen 1780 und 1830 in Weimar und in Jena (als Weimars akademischem Pendant) der entscheidende Teil jener geistigen und künstlerischen Leistungen vollbracht wurden, die Deutschland zu einer zentralen Kulturnation im westlichen und globalen Kontext gemacht haben. Darauf hat deutlich, ja mit einer gewissen Brutalität Heinz Schlaffer in seiner programmatisch &#8222;kurzen&#8220; Geschichte der deutschen Literatur verwiesen. Nicht zuletzt durch solche extreme Konzentration unterscheidet sich die deutsche von den Kulturgeschichten Frankreichs, Englands und (mit Abstrichen) auch Spaniens und Italiens. Wer sich auf die einschlägigen Führungen und Besichtigungen in Weimar oder Jena begibt, wird bald erleben, wie höchst unwahrscheinlich diese Explosion vielfältiger Größe selbst in ihrer eigenen historischen Gegenwart war. Denn auch um 1800 waren Weimar und Jena enge Städte für die Zeitgenossen, Städte mit durchaus begrenzten wirtschaftlichen und sogar intellektuellen Ressourcen.</p>
<p>Keiner unter denen, die damals von Weimar angelockt wurden, fand eine Gelegenheit oder gar eine Notwendigkeit zur Ablenkung. Auf lokale Streitigkeiten und Rivalitäten ließ man sich höchstens am Rande ein. Niemand konnte dort dem Rausch der großen Städte anheimfallen, den man so gerne und oft mit der eigenen Inspiration verwechselt. Niemand konnte sich in der thüringischen Provinzialität bequem und zuhause fühlen. Und darin genau, hat Jean-François Lyotard, der Philosoph aus Paris, einmal nach einer Gastprofessur in einer noch viel provinzielleren deutschen Stadt als Weimar geschrieben, darin genau liegt die intellektuelle Produktivität solcher Milieus &#8211; die natürlich nur eine von vielen, gewiss nicht die einzige, aber gewiss doch eine spezifisch deutsche Möglichkeit intellektueller und kultureller Produktivität ist. Provinzialität zwingt die Intellektuellen und Künstler zur Konzentration und zugleich dazu, von sich selbst Distanz zu nehmen, &#8222;von sich selbst zu emigrieren,&#8220; wie es Lyotard formulierte. Das war nicht anders im Tübingen von Hölderlin, Hegel und Schelling oder im Marburg von Bultmann, Heidegger und Arendt.</p>
<div id="attachment_1446" class="wp-caption aligncenter" style="width: 545px"><a class="thickbox" href="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/09/anna_amalia_bib_weimar1.jpg"><img class="size-full wp-image-1446 " title="Anna Amalia Bibliothek" src="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/09/anna_amalia_bib_weimar1.jpg?w=535&#038;h=401" alt="" width="535" height="401" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Wer sich auf die einschlägigen Führungen und Besichtigungen in Weimar oder Jena begibt, wird bald erleben, wie höchst unwahrscheinlich diese Explosion vielfältiger Größe selbst in ihrer eigenen historischen Gegenwart war.&quot;</p></div>
<p>Gewiss, gegen den nicht nur historischen Anspruch solcher Beispiele kann man die Meinung kehren, dass es sich um Konfigurationen aus einer Vergangenheit handelt, die uns für immer verloren ist &#8211; und wer sagt außerdem, dass in keiner deutschen Zukunft je die Möglichkeit besonderer kultureller Produktivität unter Hauptstadtbedingungen entstehen kann? Andererseits: solange sich jene Akademiker, Intellektuellen und Künstler, die in Chemnitz oder Friedrichshafen, Osnabrück oder Greifswald arbeiten, zurückgesetzt fühlen und deshalb die eigenen Ansprüche vorauseilend bescheiden formulieren, solange sie Woche für Woche nur auf den späten Donnerstagnachmittag warten, um über Regionalbahn mit ICE-Anschluss ins Berliner Wochenende zurückzukehren, solange mag die Berliner Republik auf kulturelle Stagnation zusteuern.</p>
<p><em>Zum Autor: Prof. Dr. Hans Ulrich Gumbrecht (geboren 1948 in Würzburg) ist Literaturprofessor in Stanford (Kalifornien) und ständiger Gastprofessor an der Universitté de Montreal, am Collège de France sowie an der Zeppelin University. Mit 26 Jahren erhielt er seine erste ordentliche Professur. Er ist einer der einflussreichsten Intellektuellen Deutschlands, der auch international wahrgenommen wird.<br />
</em></p>
<p><span style="font-size:85%;"><em>Der Beitrag wurde am 13. August 2011 im F.A.Z. Blog „Digital/Pausen“ von Hans Ulrich Gumbrecht veröffentlicht.<br />
</em></span></p>
<p><em><br />
</em></p>
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		<title>In der Fremde Brücken bauen</title>
		<link>http://kulturerbethueringen.wordpress.com/2011/08/13/in-der-fremde-brucken-bauen-2/</link>
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		<pubDate>Sat, 13 Aug 2011 15:37:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robert Eberhardt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kritiken]]></category>

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		<description><![CDATA[Johann August Röblings Reise in den Ruhm (Hrsg. von Iris Roebling) von Stefanie Kießling Wer die Heimat verlässt, bricht oft so manche Brücke hinter sich ab. Der Thüringer Ingenieur Johann August Röbling (später John Roebling) machte es umgekehrt – er wanderte 1831 von Mühlhausen nach Amerika aus, und begann dort den Bau einer der berühmtesten [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=kulturerbethueringen.wordpress.com&amp;blog=19544436&amp;post=1347&amp;subd=kulturerbethueringen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5>Johann August Röblings Reise in den Ruhm (Hrsg. von Iris Roebling)</h5>
<p><em>von Stefanie Kießling</em></p>
<p><a class="thickbox" href="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/08/roebling_tagebuch_meiner_reise1.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1358" title="roebling_Tagebuch_meiner_reise" src="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/08/roebling_tagebuch_meiner_reise1.jpg?w=185&#038;h=270" alt="" width="185" height="270" /></a>Wer die Heimat verlässt, bricht oft so manche Brücke hinter sich ab. Der Thüringer Ingenieur Johann August Röbling (später John Roebling) machte es umgekehrt – er wanderte 1831 von Mühlhausen nach Amerika aus, und begann dort den Bau einer der berühmtesten Brücken der Welt: die Brooklyn Bridge in New York. Damit hat er für die Stadt, ja für die Welt ein Wahrzeichen geschaffen. Diese Brücke steht symbolisch für New York und Amerika, versinnbildlicht den technischen Fortschritt und die Freiheit. Wie passend, war es schließlich der Wunsch nach Freiheit, der Röbling in die Ferne trieb. <span id="more-1347"></span></p>
<p>Röbling wurde 1806 im thüringischen Mühlhausen geboren und entstammt einer angesehenen Händlerfamilie. Schon früh zeigte er in der Schule seine Stärke in Mathematik und Geometrie. In Erfurt förderte der Mathematiker und Hochschullehrer Salomon Unger an seiner „mathematischen Privatlehranstalt“ das junge Talent und bereitete ihn so für das Studium an der Berliner Bauakademie vor. Das Studium schloss er 1826 ab, schon seine Abschlussarbeit thematisiert das Konstruktionsprinzip von Hängebrücken. In Westfalen verbrachte Roebling als Baukondukteur seine ersten Berufsjahre. Die politischen Folgen der Juli-Revolution 1830 ließen dem jungen Ingenieur aber wenig Raum sich zu entfalten, im Alter von 25 Jahren beschloss Röbling – zusammen mit seinem Bruder Carl Friedrich – nach Amerika auszuwandern.</p>
<p>Warum er seine Heimat verließ, wie er die mehr als 10-wöchige Reise wahrgenommen hat und welchen Eindruck das neue Land auf ihn machte, hielt er sehr genau in seinem Reisetagebuch fest. Anlässlich seines 200. Geburtstags hat die Literaturwissenschaftlerin Iris Roebling – eine entfernte Nachfahrin Röblings – seine Aufzeichnungen in einer bibliophilen und reich kommentierten Ausgabe der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht.</p>
<p>Was Iris Roebling schlicht „Vorwort“ nennt, erweist sich als leicht zu lesender und unterhaltsamer Essay über Leben und Wirken Röblings. Hier öffnet sie den Blick auf die leisen Töne zwischen den Zeilen des Tagebuches und macht die Vor- und Nachgeschichte von Röblings Reise sichtbar.</p>
<p>Wer sich so eingestimmt auf die Aufzeichnungen Röblings einlässt, findet neben detaillierten, manchmal recht technisch anmutenden Bemerkungen so manchen interessanten Kommentar. So hält sich das gute, selbstgebackene Mühlhäuser Brot auf See ganze drei Wochen geschmacklich hervorragend. Außerdem gibt sich Röbling als Anhänger der Homöopathie zu erkennen, eine Überzeugung, die ihn nach einem Arbeitsunfall 1869 das Leben kostet.</p>
<p>Fast drängt der aufwendig gestaltete Kommentar den eigentlichen Text Röblings in den Hintergrund. Zu schade wäre es aber, ihn in den Fußnoten oder im Anhang zu verstecken. Völlig zu Recht schmückt er marginaliengleich die Buchseiten, lädt zum Schmökern ein und macht Lust auf mehr. Wie beiläufig übersetzt er auf unterhaltsamste Weise die Seefahrersprache ins Allgemeinverständliche und bettet Röblings Erfahrungen in den Kontext der zeitgenössischen Auswandererliteratur und den wissenschaftlichen Stand des frühen 19. Jahrhunderts ein. Und wer mag, kann sich sogar kulinarisch in das Jahr 1831 zurückversetzen: mit den Rezepten für Brot- und Weinsuppe.</p>
<p>Gäbe es doch nur mehr Bücher, die uns historische Dokumente auf diese Weise schmackhaft machen!</p>
<p><strong><strong>Johann August Röbling: Tagebuch meiner Reise von Mühlhausen in Thüringen über Bremen nach den Vereinigten Staaten im Jahre 1831. Hrsg. von Iris Roebling. Halle 2006 (Mitteldeutscher Verlag). 20,00 €.</strong></strong></p>
<p><strong>Zum Weiterlesen: </strong></p>
<p>Weitere Einblicke in die Familiengeschichte Johann August Röblings bietet sein Sohn Washington Roebling. Von 1893 bis 1907 arbeitete er an der Biographie über seinen Vater. Donald Sayenga hat das Manuskript transkribiert, kommentiert und veröffentlicht. Seit 2010 liegt die deutsche Ausgabe im Mitteldeutschen Verlag vor.</p>
<p><strong>Washington Roebling: Mein Vater John A. Roebling. Der Deutsche Erbauer der Brooklyn Bridge. Hrsg. von Donald Sayenga. Halle 2010 (Mitteldeutscher Verlag). 24 €<br />
</strong></p>
<p><em>Zur Autorin: Stefanie Kießling, Germanistin und Lektoratsvolontärin, ist Vorstandsmitglied der Gesellschaft Kulturerbe Thüringen e.V.</em></p>
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	</item>
		<item>
		<title>Der Geist der Goethezeit im World Wide Web</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Aug 2011 18:59:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robert Eberhardt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kulturleben]]></category>

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		<description><![CDATA[Internetseite www.goethezeitportal.de informiert über bedeutende Periode der deutschen Kultur- und Literaturgeschichte von Patrick Peters Als zeitlich fixierte Periode, die sich an der Schaffenszeit Johann Wolfgang Goethes von circa 1770 bis zum Tod des Meisters 1832 erstreckt, nimmt die Goethezeit innerhalb der deutschen Literatur- und Kulturgeschichte eine besondere Stellung ein: Diese rund 60 Jahre umfassen drei [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=kulturerbethueringen.wordpress.com&amp;blog=19544436&amp;post=1259&amp;subd=kulturerbethueringen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5>Internetseite <em>www.goethezeitportal.de</em> informiert über bedeutende Periode der deutschen Kultur- und Literaturgeschichte</h5>
<p><em>von Patrick Peters</em></p>
<div id="attachment_1292" class="wp-caption alignleft" style="width: 226px"><a class="thickbox" href="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/08/gzp_logo_gr.jpg?w=300"><img class="size-medium wp-image-1292      " title="Logo GZP" src="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/08/gzp_logo_gr.jpg?w=216&#038;h=150" alt="" width="216" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Logo des Goethezeitportals</p></div>
<p>Als zeitlich fixierte Periode, die sich an der Schaffenszeit Johann Wolfgang Goethes von circa 1770 bis zum Tod des Meisters 1832 erstreckt, nimmt die Goethezeit innerhalb der deutschen Literatur- und Kulturgeschichte eine besondere Stellung ein: Diese rund 60 Jahre umfassen drei der künstlerisch produktivsten und hochwertigsten Epochen der deutschen Geistesgeschichte – die Aufklärung mit der Strömung des Sturm und Drang, die Weimarer Klassik und die Romantik. Sie haben eine lange Reihe hochkarätiger Werke der nationalen und Weltliteratur hervorgebracht – etwa Goethes <em>Werther</em>, Schillers <em>Wallenstein</em> und Heines <em>Loreley</em>, um jeweils nur einen Text aus jeder der drei Gattungen zu nennen – und versammeln eine Vielzahl an Autoren, die zu den besten Deutschlands, ja der Welt gehören. <span id="more-1259"></span></p>
<p>Innerhalb zweier Menschheitsgenerationen haben Dichter, neben den eben genannten, wie Heinrich von Kleist und Gottfried August Bürger, Clemens Brentano und Joseph von Eichendorff, Novalis und Jean Paul zu ihrem Schaffen gefunden und Großartiges geleistet. Den „Geist der Goethezeit“ hat Hermann August Korff in seinem gleichnamigen Standardwerk als „Ideengeschichte mit besonderem Rechte“ untersucht und umfassend dargestellt.</p>
<p>Das Goethezeitportal ist eine ehrenamtliche Online-Initiative, die sich nicht nur der Erforschung, sondern vor allem auch der medialen Darstellung der kultur- und literaturgeschichtlichen Themen und Zusammenhänge der Goethezeit verschrieben hat. Entstanden ist das Projekt 2004 an der Ludwig-Maximilians-Universität München unter der Leitung der Germanisten Prof. Georg Jäger (heute emeritiert), Prof. Martin Huber (heute Bayreuth) und Dr. Danica Krunic. Heute arbeiten neben den Initiatoren zahlreiche junge Wissenschaftler an den Inhalten der Internetseite mit.</p>
<div id="attachment_1315" class="wp-caption alignleft" style="width: 517px"><a class="thickbox" href="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/08/gzp_flyer-2007_s1.jpg"><img class="size-full wp-image-1315    " title="Flyer" src="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/08/gzp_flyer-2007_s1.jpg?w=535" alt=""   /></a><p class="wp-caption-text">Das Goethezeitportal auf einen Blick</p></div>
<p style="text-align:left;"><!--more--><!--more-->Neben der Möglichkeit, umfassende Informationen zu erhalten und wissenschaftliche Arbeiten zu veröffentlichen, bietet das Internetportal auf redaktionell betreuten Seiten eine Plattform für gegenwärtige Kulturdiskurse. „Das Goethezeitportal ist zugleich ein Netzwerk und eine Schnittstelle zwischen den einzelnen Wissenschaften, zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, zwischen Wissenschaft und Kulturvermittlung“, erläutert Georg Jäger. Die Plattform wird vom gleichnamigen gemeinnützigen Verein getragen, dem Georg Jäger vorsteht. Martin Huber und Danica Krunic fungieren als stellvertretende Vorsitzende, und komplettiert wird der Geschäftsführende Vorstand durch den Schatzmeister Dr. Horst Engler-Hamm und die Schriftführerin Stephanie Kramp.</p>
<p>Im Mittelpunkt von<a href="http://www.goethezeitportal.de" target="_blank"> www.goethezeitportal.de</a> stehen die Bereiche „Wissen“ und „Bibliothek“. In der <a title="digitalen Bibliothek" href="http://www.goethezeitportal.de/digitale-bibliothek.html" target="_blank">digitalen Bibliothek</a> können die Nutzer zahlreiche Forschungsbeiträge ausgewiesener Fachkenner zu verschiedenen Themen rund um die Goethezeit kostenlos downloaden– von Hans-Edwin Friedrichs <a title="Studie" href="http://www.goethezeitportal.de/db/wiss/epoche/friedrich_liebe.pdf" target="_blank">Studie</a> zur empfindsamen Liebeskonzeption im 18. Jahrhundert bis hin zu Wolfgang Lukas′ Aufsatz <a title="'Entzauberter Liebeszauber'" href="http://www.goethezeitportal.de/fileadmin/PDF/db/wiss/epoche/lukas_liebeszauber.pdf" target="_blank"><em>‚Entzauberter Liebeszauber‘</em></a>.  Zudem werden ständig neue Publikationen vorgestellt, die sich mit der Goethezeit  kultur- und literaturgeschichtlich befassen. Unter „Wissen“ findet sich neben der <a title="TimeLine" href="http://www.goethezeitportal.de/wissen/timeline.html" target="_blank">TimeLine</a> als virtuelle Reise durch die Goethezeit und der <a title="Künstlerenzyklopädie" href="http://www.goethezeitportal.de/wissen/enzyklopaedie.html" target="_blank">Künstlerenzyklopädie</a> wohl der Höhepunkt des Goethezeitportals: der <a title="Projektepool" href="http://www.goethezeitportal.de/wissen/projektepool.html" target="_blank">Projektepool</a>. Dort stellen fachkundige Wissenschaftler umfangreich und allgemein zugänglich bestimmte Themen der Zeit von 1770 bis 1832 vor: Unter der Überschrift <a title="Italiensehnsucht deutscher Künstler der Goethezeit" href="http://www.goethezeitportal.de/wissen/projektepool/goethe-italien.html" target="_blank">Italiensehnsucht deutscher Künstler der Goethezeit</a> wird Goethes <em>Italienische Reise</em> vor dem Hintergrund seiner römischen Gruppenzugehörigkeit untersucht (Georg Jäger, Martin Huber, Danica Krunic, Prof. Gunter E. Grimm). Martin Huber und Danica Krunic informieren im Projekt <a title="Intermedialität und Synästhesie in der Literatur der Romantik" href="http://www.goethezeitportal.de/wissen/projektepool/intermedialitaet.html" target="_blank">Intermedialität und Synästhesie in der Literatur der Romantik</a> über die neue literarische Formsprache von Wackenroder bis Hoffmann. Um <a title="Lieder der Goethezeit" href="http://www.goethezeitportal.de/wissen/projektepool/musik-harfe.html" target="_blank">Lieder der Goethezeit für Gesang und Harfe</a> geht es im gleichnamigen Projekt von Georg Jäger, Anna Macias und Danica Krunic. Wirken, Werk und Wirkung der Dichtervereinigung <a title="Der Göttinger Hainbund" href="http://www.goethezeitportal.de/wissen/projektepool/goettinger-hain.html" target="_blank">Göttinger Hainbund</a> stellt Patrick Peters gemeinsam mit Prof. Wolfgang Lukas und Danica Krunic vor. Die Essener Germanisten Gunter E. Grimm und Uwe Wehrlein untersuchen die <a title="Nibelungenrezeption" href="http://www.goethezeitportal.de/wissen/projektepool/rezeption-nibelungen.html" target="_blank">Rezeption des Nibelungenstoffes</a> in der deutschen Literatur und Kunst von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart; und das Projekt <a title="Dichterbilder" href="http://www.goethezeitportal.de/wissen/projektepool/dichterbilder.html" target="_blank">Dichterbilder</a> (Gunter E. Grimm) widmet sich den historischen Strategien schriftstellerischer Selbstinszenierung. Dazu kommen unter anderem topographische Ansichten von Orten, die als goethezeitliche Erinnerungsstätten fungieren. Ein Beispiel für solche topographischen Ansichten sind die Rheinmotive auf Postkarten, die Georg Jäger und Jutta Assel sammeln und online mit Beschreibungen abbilden.</p>
<div id="attachment_1308" class="wp-caption alignright" style="width: 293px"><a class="thickbox" href="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/08/goethe-schiller-und-co.jpg?w=1024"><img class="size-large wp-image-1308    " title="Goethe, Schiller und Co." src="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/08/goethe-schiller-und-co.jpg?w=283&#038;h=201" alt="" width="283" height="201" /></a><p class="wp-caption-text">So präsentiert sich das Jugendprojekt des Goethezeitportals</p></div>
<p>Ein ganz besonderes und ambitioniertes Jugendprojekt wächst zudem langsam heran: <a title="Goethe, Schiller und Co." href="http://www.goethezeitportal.de/wissen/projektepool/goethe-schiller-co.html" target="_blank">Goethe, Schiller und Co.</a> möchte Jugendliche neugierig auf die Kunst und Kultur der Goethezeit machen. Doch nicht nur das – hier entsteht eine Plattform für alle Organisationen und Institutionen, die selbst Projekte zur Goethezeit für Jugendliche konzipiert haben. Workshops, Musik- und Theaterprojekte in ganz Deutschland können hier auf sich aufmerksam machen. Georg Jäger, Martin Huber, Danica Krunic und Susanne Koch betreuen dieses Projekt und zeigen, dass sich der Umgang mit den „Schwafelgeistern“ auch für die Schüler von heute immer noch lohnt.</p>
<p><strong>Zum Entdecken</strong></p>
<p>Das Goethezeitportal findet der Leser auch in den sozialen Netzwerken <a title="XING" href="https://www.xing.com/net/goethezeitportal" target="_blank">XING</a> und <a title="Facebook" href="http://www.facebook.com/goethezeitportal" target="_blank">Facebook</a> sowie auf <a title="Twitter" href="http://twitter.com/#!/goethezeit" target="_blank">Twitter</a>.</p>
<p><em>Zum Autor: Patrick Peters ist Germanist, Autor und <a title="Journalist" href="http://www.peters-textbuero.com" target="_blank">Journalist</a>, promoviert und lehrt an der Bergischen Universität Wuppertal. Er leitet das Goethezeitportal-Projekt <a title="Der Goettinger Hainbund" href="http://www.goethezeitportal.de/wissen/projektepool/goettinger-hain.html" target="_blank">Der Göttinger Hain – Wirken, Werk und Wirkung</a> und fungiert als Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Goethezeitportals.</em></p>
<p><a href="http://www.addtoany.com/share_save?linkurl=http%3A%2F%2Fkulturerbethueringen.wordpress.com%2F2011%2F07%2F02%2F1213%2F&amp;linkname=Italienische%20Renaissance%20in%20Th%C3%BCringens%20Osten" target="_blank"><img src="http://www.neu4bauer.com/kulthuer/share_article.png" alt="Share" /></a></p>
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		<item>
		<title>Italienische Renaissance in Thüringens Osten</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Jul 2011 15:00:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robert Eberhardt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Entdeckungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Lindenau-Museum Altenburg und seine Sammlung früher italienischer Malerei von Robert Eberhardt Besorgt schaut Joseph, den zahmen Esel am Seile führend, zurück: zu Maria, zu seinem Sohn. Die heilige Familie zieht durch einen düsteren Wald. Sie ist auf der Flucht nach Ägypten. In einer intensiven Farbigkeit hat Lorenzo Monaco aus Siena als Vertreter des „Weichen Stils“ [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=kulturerbethueringen.wordpress.com&amp;blog=19544436&amp;post=1213&amp;subd=kulturerbethueringen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5>Lindenau-Museum Altenburg und seine Sammlung früher italienischer Malerei</h5>
<p><em>von Robert Eberhardt</em></p>
<div id="attachment_1235" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a class="thickbox" href="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/07/img_17911.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-1235" title="IMG_1791" src="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/07/img_17911.jpg?w=150&#038;h=88" alt="" width="150" height="88" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Lorenzo Monaco: Flucht nach Ägypten, um 1410</p></div>
<p>Besorgt schaut Joseph, den zahmen Esel am Seile führend, zurück: zu Maria, zu seinem Sohn. Die heilige Familie zieht durch einen düsteren Wald. Sie ist auf der Flucht nach Ägypten. In einer intensiven Farbigkeit hat Lorenzo Monaco aus Siena als Vertreter des „Weichen Stils“ diese Szene in ein gotisch gerahmtes Bildfeld gemalt, die Figuren gekonnt angeordnet und in eine dunkle, geheimnisvoll wirkende Umgebung gestellt. Die Farbintensität unterstreicht das Immaterielle, das Sakrale der Begebenheit. Das um 1410 entstandene Gemälde ist einer von vielen Schätzen des Lindenau-Museums in Altenburg. <span id="more-1213"></span></p>
<p>In der ostthüringischen einstigen Residenzstadt erwartet den Besucher eine Sammlung frühitalienischer Gemälde, wie er sie sonst nur in großen und weitaus berühmteren Museen erwarten darf. Vielen Kunstkennern ist dieses besondere Museum am Stadtpark ein Begriff, doch dem weitaus größeren Teil von Museumsbesuchern nach wie vor unbekannt. 180 Tafeln italienischer Malerei vom 13. bis zum 16. Jahrhundert vereint die Sammlung und zählt damit zu einer der größten außerhalb Italiens. Der Staatsmann und Gelehrte Bernhard August von Lindenau (1779–1854) sammelte die Gemälde, eröffnete 1848 ein erstes Museum, dessen Kunstwerke seit 1876 in dem heute noch zu bestaunenden Museumsbau zu sehen sind.</p>
<div id="attachment_1250" class="wp-caption aligncenter" style="width: 545px"><a class="thickbox" href="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/07/img_17742.jpg"><img class="size-full wp-image-1250" title="IMG_1774" src="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/07/img_17742.jpg?w=535&#038;h=356" alt="" width="535" height="356" /></a><p class="wp-caption-text">Saal mit den Hauptwerken der italienischen Sammlung</p></div>
<p>Die aktuelle Hängung der italienischen Tafeln folgt seinem Sinne nach regionalen Schulen: neben den sienesischen Malern (Pietro Lorenzetti, Lippo Memmi, Giovanni di Paolo und Sano di Pietro), finden wir Vertreter der florentinischen Szene (Bernardo Daddi, Lorenzo Monaco, Masaccio, Filippo Lippi, Fra Angelico) sowie Maler aus Umbrien und Oberitalien (Luca Signorelli, Pietro Perugino, Marco Zoppo und Giovanni Santi, der Vater Raphaels).</p>
<p>Wer die Räume mit den Bildern des Trecento und Quattrocento betritt, den beschleicht ein seltsames, eigenes Gefühl: Dass er sich hier Kunstwerken gegenüber gestellt sieht, die so ganz anders sind, als die Historiengemälde, Porzellane und Büsten in anderen Thüringer Schlössern und Museen. Ein wenig unnahbar wirken die Tafelgemälde mit ihrer fernen Bildsprache, oft spröde, teils noch byzantinisch golden glänzend oder schon realistisch mit der Zentralperspektive experimentierend – immer und stets umgibt sie etwas Geheimnisvolles, als ob sie stille, alte Wahrheiten verbergen.</p>
<p>Die Erläuterungen des Handbuchs oder einer Führung ermöglichen eine erste Annäherung an die Gemälde. Sie erklären die Zusammenhänge ihres Entstehens südlich der Alpen am Übergang der Gotik zur Renaissance. Doch mehr noch als Lesen und Hören, ist das Sehen gefragt, die persönlichste und eindrucksvollste Begegnung mit diesen Bildern. Wer sich darüber hinaus die Zeit nimmt und in die Bildwelt eintaucht, wird zuhauf belohnt werden. Ihm werden Dialoge zu den Porträtierten und seit langem toten Edelleuten ermöglicht, Aufnahme und Erkenntnis christlicher Erzählungen angeboten, Einfühlung in die emotional so vielschichtigen Darstellungsweisen der Madonna mit dem Christuskind im Arme gegeben oder auch nur freudige Überraschung über ein mit Finesse gemaltes Detail geschenkt.</p>
<a href="http://kulturerbethueringen.wordpress.com/2011/07/06/italienische-renaissance-in-thuringens-osten/#gallery-1-slideshow">Anklicken um </a>
<p>Die Motive in Anordnung, Farbigkeit, Perspektive und Malweise anzusehen und zu vergleichen, wird zu einem beglückenden Erlebnis des Kunstgenusses. Die überschaubare Größe des Museums und dessen Sammlung hinterlässt ein Gefühl der Zufriedenheit, weil eine eingängige Begegnung mit dem einzelnen Bild hier möglich ist und nicht wie in den großen Museumsfabriken von Besucherhorden behindert wird. Nicht jede Tafel zeugt von hohem künstlerischen Eigenwert, denn viele Bilder entstammen Werkstätten von eher unselbstständiger Gestaltungskraft und sind aus ihrem ursprünglichen Kontext als Teil eines Altars entrissen. Doch jedes Gemälde lohnt der Beschäftigung, die Meisterwerke insbesondere. Das Frauenporträt Sandro Botticellis gilt ungefragt als das berühmteste Stück der Sammlung. Das Bild zeigt wahrscheinlich die Adelsdame Caterina Sforza und gelangte für 40 Scudi (der Preis für drei Rinder) 1847 in Lindenaus Sammlung. Auch das auf Pappelholz gemalte Doppelbild des Malergenies Masaccio verdient als ein Glanzstück der Sammlung besondere Aufmerksamkeit.</p>
<p>Allein diese Italien-Sammlung rechtfertigt eine Fahrt nach Altenburg in das Lindenau-Museum. Dabei hat dieses Kleinod noch mehr zu bieten: Alle Museumsabteilungen zeugen von der tiefen Sammelleidenschaft ihres Gründers, der sein Museum „der Jugend zu Belehrung, dem Alter zur Erholung“ gewidmet wissen wollte. In der Thüringer Museumslandschaft sticht die Sammlung antiker Keramik (ca. 400 Stücke) ebenso heraus wie die Sammlung von Abgüssen berühmter Skulpturen der Antike, Renaissance bis hin zum Klassizismus, die heute in einem lichten Saal atmosphärisch präsentiert wird und zwischen denen man sich mit einem Museumskaffee niederlassen kann.</p>
<div id="attachment_1254" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a class="thickbox" href="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/07/img_18563.jpg"><img class="size-medium wp-image-1254" title="IMG_1856" src="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/07/img_18563.jpg?w=300&#038;h=200" alt="" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Michelangelos &quot;Sterbender Sklave&quot; räkelt sich in der Thüringischen Provinz (Abguss des im Louvre befindlichen Originals)</p></div>
<p>Einst besaß die Sammlung auch etwa 130 Kopien von Gemälden der Renaissance, die 1968 dem staatlichen Kunsthandel der DDR übergeben wurden und von denen sich heute nur noch wenige im Haus befinden. Eine 2000 Bände umfassende und vom Gründer zusammengestellte Kunstbibliothek gehört ebenso zum Museum wie eine Kollektion von Gemälden späterer Jahrhunderte und verschiedener Länder: Eine „Allegorie auf Krieg und Frieden“ von Jan Brueghel d. J. um 1630 ist ebenso zu bestaunen, wie ein „Blick vom Atelier“ des Deutschen Impressionisten Max Slevogt von 1898, ein „Arbeiterjunge im Atelier“ von Otto Dix, gemalt 1914, oder Werke eines weiteren berühmten Altenburgers, Gerhard Altenbourg. Darüber hinaus gelingt es den Wechselaustellungen , der Kunst der Moderne und Gegenwart in der vermeintlichen Provinz ein Podium zu bieten.</p>
<p><em>Zum Autor: Robert Eberhardt, Autor, Verleger des Wolff Verlags und Student der Kunstgeschichte ist Vorsitzender der Gesellschaft Kulturerbe Thüringen e.V.</em></p>
<p><em>Wir danken dem Museum für die Veröffentlichungsgenehmigung der Fotos (© Robert Eberhardt).</em></p>
<p><em>Zum Weiterlesen: <a href="http://www.lindenau-museum.de/" target="Blank">Internetseite des Lindenau-Museums Altenburg</a></em></p>
<p><a href="http://www.addtoany.com/share_save?linkurl=http%3A%2F%2Fkulturerbethueringen.wordpress.com%2F2011%2F07%2F02%2F1213%2F&amp;linkname=Italienische%20Renaissance%20in%20Th%C3%BCringens%20Osten" target="_blank"><img src="http://www.neu4bauer.com/kulthuer/share_article.png" alt="Share" /></a></p>
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		<title>Meiningen – Musenhof zwischen Weimar und Bayreuth</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Jun 2011 12:39:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robert Eberhardt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kulturleben]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kulturerbethueringen.wordpress.com/?p=1170</guid>
		<description><![CDATA[Eine innovative Ausstellung im Schloss Elisabethenburg, vorgestellt von der Kuratorin von Maren Goltz Welche Regenten des Hauses Sachsen-Meiningens förderten Kunst und Kultur in besonderem Maße? Womit sorgte das kleine Herzogtum an der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert in ganz Europa künstlerisch für Furore? Wovon war Max Reger zeitweise abhängig? Wer war Hans von Bülow? [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=kulturerbethueringen.wordpress.com&amp;blog=19544436&amp;post=1170&amp;subd=kulturerbethueringen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5>Eine innovative Ausstellung im Schloss Elisabethenburg, vorgestellt von der Kuratorin</h5>
<p><em>von Maren Goltz</em></p>
<div id="attachment_1190" class="wp-caption alignleft" style="width: 121px"><a class="thickbox" href="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/06/18901.jpg"><img title="1890" src="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/06/18901.jpg?w=111&#038;h=150" alt="" width="111" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen (1826-1914) und Freifrau Helene von Heldburg um 1890</p></div>
<p>Welche Regenten des Hauses Sachsen-Meiningens förderten Kunst und Kultur in besonderem Maße? Womit sorgte das kleine Herzogtum an der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert in ganz Europa künstlerisch für Furore? Wovon war Max Reger zeitweise abhängig? Wer war Hans von Bülow? Und was heißt eigentlich musikalische Interpretation? – Kulturgeschichte zum Anfassen, Anschauen und Hinhören erleben Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen in der seit 23. Juni 2011 vollständig zugänglichen Ausstellung „Meiningen – Musenhof zwischen Weimar und Bayreuth“ in den ehemaligen Wohnräumen Herzog Georgs II. und Helene Freifrau von Heldburg. Das innerhalb von vier Jahren im südwestlichen Bereich der Oberen Galerie von Schloss Elisabethenburg realisierte Gesamtprojekt wurde maßgeblich unterstützt von der Stiftung Meininger Kliniken, der Stadt Meiningen sowie der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und der Rhön-Rennsteig-Sparkasse. <span id="more-1170"></span></p>
<p>Nahegebracht wird den Besuchern in der Ausstellung insbesondere die kulturelle Hochzeit des Herzogtums im Zeitraum von 1873 bis 1914. Denn die herausragende Qualität des historischen Kulturstandortes Meiningen wurde wesentlich durch Herzog Georg II. und seine dritte Ehefrau, die ehemalige Schauspielerin Helene von Heldburg an der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert bestimmt. Im Spannungsfeld zwischen Weimar und Bayreuth etablierten sie nach ihrer Heirat im März 1873 ein einzigartiges „Kunstparadies“ in der Residenzstadt an der Werra. Durch die konsequente Neuausrichtung musikalischer und theatraler Ensemblearbeit gelang nicht nur die glänzende Profilierung des Hoftheaters und der Hofkapelle, sondern auch eine entscheidende Weiterentwicklung der Kunstformen Theater und Konzert. Dieses kulturelle Potential wird auch nach dem Ende des „Musenhofes“ im Jahre 1918 in der „Musenstadt“ Meiningen in besonderem Maße gepflegt. Ein Hauptanliegen der Ausstellung ist es, den singulären Beitrag Meiningens zur klassischen europäischen Kultur in den Privaträumen von Herzog Georg II. und Helene Freifrau von Heldburg für ein breites internationales Publikum aller Altersstufen ab 8 Jahren in geeigneter Form aufzubereiten und erfolgreich zu kommunizieren.</p>
<p>Die Maximen der Vermittlung des in Zusammenarbeit mit der VERB-Agentur für Kommunikationsdesign Essen konzipierten und realisierten Konzeptes heißen dabei „Klarheit“, „Differenziertheit“ und „emotional-edukative Erfahrbarkeit“. So wird in Sachen „Klarheit“ Wert gelegt auf kurze deutsch/englische Kommentare. Ergänzend zu den Ausführungen für Erwachsene werden in jedem Raum Themen für 8- bis 14-jährige Kinder und Jugendliche aufbereitet, die selbstredend auch ältere Besucher neugierig machen sollen. Informationen zur jeweils überlieferten Raumsubstanz werden zu den Arbeiten des Meininger Fotografen Louis Otto Weber aus dem Jahr 1914 vermittelt. Ebenfalls in allen Räumen sind Piktogramme von Georg II. und Helene von Heldburg zu finden, welche mit kurzen, kommentierenden Original-Zitaten in Form von Sprechblasen versehen sind. Die Maxime „Klarheit“ meint die deutliche Trennung zwischen Ausstattung der historischen Räume und Ausstellungsgestaltung. Mit anderen Worten „schwebt“ jede Zutat zur historischen Raumausstattung über dem Boden bzw. vor der Wand mittels Podesten und Abstandshaltern. Neben der Würdigung von herausragenden Leistungen erfolgen auch Angebote für eine differenzierte Einordnung der Persönlichkeiten. Der Begriff der „emotional-edukativen Erfahrbarkeit“ zielt darauf ab, dass die Besucher thematisch und vermittlungstechnisch „bei sich selbst abgeholt“ werden. Zum Beispiel wird die „natürliche Neugierde“ der Besucher geweckt, um den durch eigenen Antrieb erworbenen und dadurch positiv korrelierten Wissenszuwachs nachhaltig im Gedächtnis zu verankern. Durch aktives Handeln sind zentrale Themen überdies nicht nur intellektuell, sondern auch emotional erlebbar.</p>
<div id="attachment_1203" class="wp-caption aligncenter" style="width: 480px"><a class="thickbox" href="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/06/regerzimmermeiningen1.jpg"><img class="size-large wp-image-1203" title="Eroeffnung der neuen Ausstellung Musikgeschichte" src="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/06/regerzimmermeiningen1.jpg?w=470&#038;h=327" alt="" width="470" height="327" /></a><p class="wp-caption-text">Reger-Raum der neuen Ausstellung. Foto: Michael Reichel (ari)</p></div>
<p>Der Rundgang beginnt im Gemeinschaftlichen Wohnzimmer, jener „Schaltzentrale“ des Musenhofes, die schon um 1900 ausgestattet war mit einem Strom- und einem Telefonanschluss. In diesem Raum werden die Regenten des Hauses Sachsen-Meiningen vorgestellt und ihre Rolle als Förderer von Kunst und Kultur in den Mittelpunkt gerückt. Besondere Aufmerksamkeit gebührt dabei wie bereits erwähnt dem 1866 inthronisierten Herzog Georg II. von Sachsen- Meiningen, jenem gebildeten, kunstinteressierten und in vieler Hinsicht modernen Regenten, der mit Mitte 40 den Regierungsalltag und die politischen Grenzen seines kleinen Herzogtums genau kennt, nach neuen Gestaltungsräumen sucht und diese in der Weiterentwicklung der Kunstformen Theater und Konzert findet. Mittels der großformatigen Reproduktion eines Fotos begegnet der Besucher dem Hünen Georg II. und seiner Frau in Lebensgröße. Dass der Herzog die Ensembles Hofkapelle und Hoftheater wie private Unternehmen führte und diese dank des Engagements aller Beteiligten mit Muster-Interpretationen durch Deutschland und Europa gesandt werden konnten, erfahren die Gäste hier ebenfalls. Neben der Familiengeschichte mit den beiden ersten Frauen Charlotte und Feodora werden die vier Kinder aus den vorangegangenen Ehen vorgestellt. Die Geschwister Bernhard und Marie Elisabeth dürften wohl am wenigsten begeistert gewesen sein von der Schauspielerin Ellen Franz, die ihr Vater im März 1873 unter erheblichem familiären und öffentlichen Druck heiratete. Mit dem 1880 engagierten Hofkapellmeister Hans von Bülow rückte der Musenhof dann gewissermaßen personell wie künstlerisch in das Spannungsfeld zwischen Weimar und Bayreuth. Die Akteure warden hineingezogen in <em>„</em><em>Germany&#8217;s longest running real-life soap opera” (The German Times, 2008)</em>. Erzählt wird diese Geschichte um grosse Gefühle, Kunst, Betrug und Leidenschaft übrigens nicht nur konventionell, sondern – insbesondere an Kinder und Jugendliche adressiert – auch in einem Comic mit dem Titel „Liebe, Kunst und Wahnsinn: die ganze Wahrheit“.</p>
<p>Die Ausstellung erzählt auch, was bislang selten zur Sprache kam: Freifrau Helene von Heldburg wird, auf Grund ihrer nicht standesgemäßen Heirat mit dem Regenten, zunächst sowohl von einem Teil der Familienangehörigen, der Hofbeamten und der Meininger Bürger ausgegrenzt. Mindestens ebenso schwer wiegt aus ihrer Sicht, dass sie nach ihrer Hochzeit nicht mehr als Schauspielerin auf der Bühne auftreten kann und darf, wodurch sie in eine veritable Lebenskrise stürzt. Die erfolgreichen Gastspielreisen des Herzoglichen Hoftheaters betrachtet sie deshalb nicht nur mit Stolz, sondern auch mit Wehmut. Dort, wo sie seit etwa 1873 über Jahrzehnte Schauspieler unterrichtet, im sogenannten Kleinen Salon, können die Besucher nun mit Hilfe einer Kamera Bilder jener Künstler entdecken, die sich in Meiningen entfalteten. An dieser Stelle blickt man von der Gegenwart in die Vergangenheit. Angefangen von Elīna Garanča, Andrea Moses, Sebastian Baumgarten und Kirill Petrenko reicht die Reihe der renommierten Künstler zurück bis hin zu Joseph Kainz, Veit Harlan und zu Hedwig Pringsheim.</p>
<div id="attachment_1185" class="wp-caption alignleft" style="width: 239px"><a class="thickbox" href="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/06/max_reger_11.jpg"><img class="size-medium wp-image-1185" title="Max_reger_1" src="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/06/max_reger_11.jpg?w=229&#038;h=300" alt="" width="229" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Max Reger (1873-1916) wirkte von 1911 bis 1914 als Hofkapellmeister in Meiningen</p></div>
<p>Auch Max Reger, der Hofkapellmeister von 1911 bis 1914, hat nun wieder einen angemessenen „Ort“ im Schloss. Vorgestellt werden mit „Arbeit“, „Gier“ und „Anerkennung“ die grossen Themen seines kurzen Lebens. Aus der Nähe betrachten kann man jetzt nicht nur Schreibtisch, Notenschrank und seine Hausorgel. Auch die Stichvorlage der „Mozartvariationen“ op. 132 erzählt von jenem sich so gern als „Kraftprotz“ gebärdenden Komponisten, der doch in erster Linie ein überaus fleißiger, penibler, zielstrebiger und nicht zuletzt auch sensibler Tonsetzer war. Apropos Komponist: Anzuhören ist eine Auswahl jener Werke Max Regers, die in Meiningen oder dessen Umfeld entstanden. Und hineinsetzen können sich vorzugsweise die jüngeren Besucher in ein Oldtimer-Modell, um dort eine Autohupe zu bedienen, die das Thema von Regers Hiller-Variationen widergibt. Assoziationen zwischen tönenden Autohupen und heutzutage allgegenwärtigem Handy-Klingeln sind dabei durchaus naheliegend.</p>
<div id="attachment_1211" class="wp-caption alignright" style="width: 204px"><a href="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/06/388px-hans_von_buelow7.jpg" class="thickbox"><img src="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/06/388px-hans_von_buelow7.jpg?w=194&#038;h=300" alt="" title="388px-Hans_von_buelow" width="194" height="300" class="size-medium wp-image-1211" /></a><p class="wp-caption-text">Hans von Bülow (1830-1894) wirkte von 1880 bis 1885 als Hofmusikintendant in Meiningen</p></div>
<p>In dem vor kurzem mit grosser Sorgfalt neu restaurierten Empfangszimmer geht es ebenfalls um ein Hauptthema in Meiningens Musikgeschichte, nämlich die von Hans von Bülow entscheidend veränderte Auffassung von musikalischer Interpretation. Wollte er doch nicht nur „wiedergeben“, „aufführen“ oder „reproduzieren“ wie Generationen von Dirigenten vor ihm. Der Schüler von Wagner und Liszt wagte vielmehr gänzlich Neues, indem er sich analytisch mit dem Notentext auseinandersetzte und diesen virtuos und betont subjektiv interpretierte. Der Museumsbesucher wird in dem Raum u. a. eingeladen, auf ein Dirigentenpult zu treten und zwischen fünf Einspielungen von Brahms‘ in Meiningen uraufgeführter Vierter Symphonie auszuwählen. An authentischem Ort wird nicht nur ein Eindruck vom Beginn des Werkes erfahrbar, sondern ein Vergleich der Interpretationen von Arturo Toscanini, Otto Klemperer, Carlos Kleiber, Günter Wand und Kurt Masur möglich, die alle von ‚ein und derselben Partitur‘ ausgehen. Dass sich Bülows Ansatz nicht nur auf Hofkapell-Mitglieder wie den Klarinettisten Richard Mühlfeld, auf Komponisten wie Brahms, Liszt und Wagner sowie auf seine Amtsnachfolger auswirkte Richard Strauss, Fritz Steinbach und Max Reger, sondern insbesondere auf viele Dirigenten nach ihm, wird mittels einer Computeranimation deutlich gemacht. Kinder und Jugendliche können an einer Bank Fragen von Kindern an Meininger Hofkapell-Mitglieder verfolgen wie diese: Was bedeutet es für einem Musiker, vor Publikum zu spielen? Was macht ein Dirigent überhaupt? Und wie kam der Tuba-Spieler ausgerechnet zu einem solch grossen Instrument?</p>
<p>In dem nachfolgenden, mit Reproduktionen von Alexander-Gobelins nach Gemälden von Charles Le Brun (Königliche Gobelin-Manufaktur Paris, 2. Hälfte 17. Jh.) ausgestatteten Herzoglichen Speisezimmer umgab sich das Herzogliche Paar zum Mittagsmenü gern mit hochrangigen Angestellten des Hofes und auswärtigen Gästen. Und das Museumspublikum von heute kann hier etwas über das Innenleben des Musenhofes erfahren. Denn die sorgsam aufeinander abgestimmte Speisen- und Getränkefolge eignete sich vorzüglich zu politischem und kulturellem ‚brainstorming’ wie auch zu entspannter Plauderei von Gastgebern und der in Frack bzw. Uniform sowie mit angelegten Orden erschienenen Gäste.</p>
<div id="attachment_1186" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a class="thickbox" href="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/06/brahms.jpg"><img class="size-medium wp-image-1186" title="brahms" src="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/06/brahms.jpg?w=300&#038;h=261" alt="" width="300" height="261" /></a><p class="wp-caption-text">Johannes Brahms (1833-1897) war ein enger Freund des Herzogspaars. In Meiningen wurde seine 4. Sinfonie uraufgeführt.</p></div>
<p>Zwar sind viele Details über Brahms’ Meiningen-Visite Mitte März 1891 bekannt. Angenehmes mit Nützlichem verbindend, nahm er die Uraufführung von Widmanns Tragödie „Oenone“ am 15. März im Hoftheater zum Anlass für den neuerlichen Meiningen-Besuch. Das Zusammentreffen mit dem Ausnahmeklarinettisten Richard Mühlfeld wurde inspirierend für sein gesamtes Spätwerk. Anwesend waren bei dem Galadiner am 15. März 1891 14 Uhr neben Johannes Brahms und dem schweizerischen Schriftsteller Josef Viktor Widmann u. a. Hofmarschall Freiherr von Röpert, der Dichter Rudolf Baumbach, der Hofkapell-Intendant Max von Zezschwitz, Ludwig Chronegk sowie Hofkapellmeister Fritz Steinbach.</p>
<p>Doch worüber man bei dem klassischen 8-Gänge-Menü mit Austern, Veloute-Suppe, Forelle blau, Kalbsrücken mit Dauphine Kartoffeln, Hummer nach Gloucester Art, Fasanbraten, Salat, gedünstetem Obst, Erbsengemüse, gefrorenem Maronenpudding, Käsestangen sowie Nachtisch scherzte und sprach, wird uns verborgen bleiben. Ebenso, ob der von Brahms arrangierte und von Widmann berichtete „Spaß mit der ‚Prinzessin Eboli’ (Kapellmeister von Steinbach)“ eventuell auf das Gastspiel der Wiener Schauspielerin Maria Swobodas abzielte, die kurz vor der Hochzeit im März 1873 für Ellen Franz als Prinzessin Eboli in Meiningen gastierte und vom Publikum ebenso frenetisch wie demonstrativ gefeiert wurde.</p>
<p>Lauschen können die Museumsbesucher den beiden Gastgebern sowie Brahms und Widmann, was diese Dritten über jene ereignisreichen Meininger Tage berichteten. Anmoderiert vom Adelsexperten Rolf Seelmann-Eggebert lesen Frau Prof. Dr. Petra Stuber (HfMT Leipzig) und Schauspielstudierende wiederum Originalzitate. Unter anderem teilte Brahms seiner Freundin Clara Schumann seine Freude über das Zusammentreffen mit dem Klarinettisten Mühlfeld mit. Herzog Georg II. bat Ludwig Chronegk um  Hilfe wegen seines Gehörleidens und Widmann berichtete seiner Frau von seiner Verfassung vor der Premiere seiner Tragödie „Oenone“. Aus dem Munde Helene von Heldburgs erfahren die Besucher schließlich sogar von dem unerhörten Kriminalfall, der das Herzogliche Paar damals tatsächlich in Atem hielt. Natürlich dürfen nicht nur Kinder und Jugendliche nachschauen, was sich unter den Speiseglocken auf dem Servierwagen befindet.</p>
<p>Dass die Ausstellung historischer Musikinstrumente mit dem Klanglabor nicht nur ein Novum in der mitteldeutschen Museumslandschaft ist, hat sich seit der Eröffnung 2008 bereits herumgesprochen.</p>
<p><em>Zur Autorin: Maren Goltz, Musik- und Theaterwissenschaftlerin sowie wissenschaftliche Bibliothekarin (MLIS), ist seit 2004 </em><em>Kustodin der Sammlung Musikgeschichte/Max-Reger-Archiv der Meininger Museen. Sie ist Vorstandsmitglied in der Academia Musicalis Thuringiae, der Internationalen Hans von Bülow Gesellschaft Meiningen e. V. und engagiert sich im Kuratorium Kulturstadt Meiningen.</em></p>
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		<title>500 Jahre Reformation</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Jun 2011 16:49:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robert Eberhardt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kulturleben]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Vorbereitungen zum Reformationsjubiläum 2017 – ein Werkstattbericht von Dr. Stefan Rhein Wer in den letzten Monaten die Betriebsamkeit von Landesregierungen, Stadtparlamenten, Konsistorien, Kirchengemeinden und Kulturinstitutionen verfolgte, konnte zur Auffassung kommen, dass das Reformationsjubiläum unmittelbar bevorsteht. In der breiten Öffentlichkeit sind Hoffnungen für eine vertiefte Ökumene auf 2017 hin formuliert worden, ja in manchen Köpfen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=kulturerbethueringen.wordpress.com&amp;blog=19544436&amp;post=1127&amp;subd=kulturerbethueringen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5>Die Vorbereitungen zum Reformationsjubiläum 2017 – ein Werkstattbericht</h5>
<p><em>von Dr. Stefan Rhein</em></p>
<div id="attachment_1131" class="wp-caption alignleft" style="width: 106px"><a class="thickbox" href="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/06/luther_logo.jpg" target="_blank"><img class="size-thumbnail wp-image-1131" title="luther_logo" src="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/06/luther_logo.jpg?w=96&#038;h=150" alt="" width="96" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Das Lutherporträt Cranachs von 1528 diente als Vorlage des Logos der Lutherdekade.</p></div>
<p>Wer in den letzten Monaten die Betriebsamkeit von Landesregierungen, Stadtparlamenten, Konsistorien, Kirchengemeinden und Kulturinstitutionen verfolgte, konnte zur Auffassung kommen, dass das Reformationsjubiläum unmittelbar bevorsteht. In der breiten Öffentlichkeit sind Hoffnungen für eine vertiefte Ökumene auf 2017 hin formuliert worden, ja in manchen Köpfen und Gazetten tauchte sogar die Aufhebung des Banns gegen Martin Luther durch den Papst als Forderung und Hoffnung auf.<span id="more-1127"></span><br />
Vor ähnlich vielfältigen Erwartungen, Konflikten und Interessen, wenn auch unter anderen konfessionspolitischen Vorzeichen, standen die früheren Reformationsjubiläen, die fast durchweg von antikatholischer Polemik und nationaler Zentrierung geprägt waren: 1617 feierte man ein Glaubensfest im Zeichen der lutherischen Orthodoxie, und auch 1717 stand die Befreiung von der päpstlichen Herrschaft im Mittelpunkt des Gedenkens. Luther wurde als das auserwählte Werkzeug Gottes gegen die Knechtschaft des neuen römischen Babylon gefeiert. 1817 beeinflusste der Sieg über die napoleonische Fremdherrschaft die Feiern und führte zu einer nationalen Ausrichtung des Jubiläums: Luther als deutscher Held und bürgerlicher Idealtypus, vielfach inszeniert in Festumzügen und in der populären Druckgrafik. Der &#8222;deutsche Luther&#8220; zog auch 1917 breite Aufmerksamkeit auf sich, zugleich gewann eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Luthers Theologie zunehmende Bedeutung. Das letzte Reformationsjubiläum 1967 fiel für die Lutherstätten Mitteldeutschlands in eine Eiszeit des Staat-Kirche-Verhältnisses in der DDR &#8211; was zum Versuch der Säkularisierung der Reformation durch das Konzept der &#8222;Frühbürgerlichen Revolution&#8220; und zur Marginalisierung der kirchlichen Veranstaltungen, zum Beispiel durch termingleiche Oktoberrevolutionsfeierlichkeiten, führte. In der Bundesrepublik fanden vor allem lokale Feiern der Landeskirchen statt, da die Fiktion einer gesamtdeutschen EKD durch eine zentrale kirchliche Festveranstaltung am 31. Oktober 1967 in Wittenberg aufrecht erhalten werden sollte.</p>
<p>Beendet sei der Blick in die Geschichte der Reformationsjubiläen mit dem Jahr 1527, denn am Anfang der protestantischen Erinnerungskultur steht der Reformator selbst, der am 1. November 1527 mit einem Freund auf die &#8222;Vernichtung der Ablässe vor zehn Jahren&#8220; prostete &#8211; eine Legimitation der Reformationsmemoria avant la lettre. Für Luther war der Jubiläumsanlass ganz offensichtlich unbestritten: die Vernichtung der Ablässe. Was wir 2017 feiern, ist demgegenüber weit weniger klar. Die Debatte darüber entzündete sich unausweichlich bei der Festlegung der Wortmarke, als es um die Überschrift über das gesamte Jubiläum ging:</p>
<div id="attachment_1132" class="wp-caption alignright" style="width: 205px"><a class="thickbox" href="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/06/luther_1529.jpg" target="_blank"><img class="size-medium wp-image-1132" title="Luther_1529" src="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/06/luther_1529.jpg?w=195&#038;h=300" alt="" width="195" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Luther, gemalt von Lucas Cranach 1529 (Hessisches Landesmuseum Darmstadt)</p></div>
<p>Die Entscheidung fiel auf &#8222;Luther 2017 – 500 Jahre Reformation&#8220;, um beides, Konzentration auf eine Person wie auch Offenheit für die geschichtliche Entwicklung, zu erreichen. Der unstrittig wichtigste Reformator und Verfasser der Thesen wie die Reformation in ihrer ganzen Vielfalt können damit in den Fokus des Jubiläums gerückt werden. Da gerade die Marketing- und Tourismusfachleute die Person weitaus mehr als die Sache in den Rang einer Identifikations- und Aufmerksamkeitsmarke erheben, läuft folgerichtig die Jubiläumswebsite unter der Adresse <a href="http://www.luther2017.de/">www.luther2017.de</a>. Die nach der Festlegung der Wortmarke entwickelte Wortbildmarke zeigt prominent das Porträt Luthers nach Cranach. Das Jubiläumslogo wurde mit folgender Interpretation öffentlich kommuniziert: &#8222;Die Wortmarke ‚Luther 2017 – 500 Jahre Reformation‘ verbindet wichtige Aspekte des Jubiläums: Luther als zentrale Figur und zugleich die gesamte Wirkungsgeschichte der Reformation in Kirche, Politik und Gesellschaft.“<br />
Wer aber traf diese Entscheidung? Die Antwort &#8211; die Entscheidung traf das Kuratorium nach fachlicher Auswahl der AG Marketing und Öffentlichkeitsarbeit und nach Vorbereitung des Beschlusses durch den Lenkungsausschuss &#8211; führt nahtlos zu einer Darstellung der komplexen Gremienstruktur der Jubiläumsorganisation: alle Gremien sind paritätisch kirchlich und staatlich besetzt, da unbestrittener Konsens ist, dass ein Zwei-Säulen-Aufbau, wie etwa noch 1983 mit einem Staatlichen Martin-Luther-Komitee der DDR unter Leitung von Erich Honecker und einem kirchlichen Pendant, vermieden werden sollte.<br />
Unter dem Dach der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt wurde, finanziert vom Land Sachsen-Anhalt, 2007 eine Geschäftsstelle eingerichtet, die sich der Vorbereitung des Reformationsjubiläums 2017 und der Lutherdekade widmet und von Beginn an länderübergreifend agierte, um das Jubiläum zu einem bundesweiten und internationalen Ereignis zu entwickeln. Staatlicherseits, das heißt aus der Perspektive des Bundes, der Länder und der Kommunen, lassen sich unter anderem folgende Erwartungen an das Reformationsjubiläum formulieren:</p>
<ul>
<li>Wirkungen der Reformation in Kunst/Kultur, Gesellschaft und Politik aufzeigen</li>
<li>internationale Ausrichtung (Deutschland als ‚Land der Reformation‘ kommunizieren)</li>
<li>Erhalt und Vermittlung des kulturellen Erbes (von Baumaßnahmen in der reformationshistorischen Infrastruktur bis hin zu Initiativen kultureller Bildung, beispielsweise in Schulen)</li>
<li>Wirtschaftszweig Tourismus steigern</li>
</ul>
<p>Von kirchlicher Seite steht die Geschäftsstelle &#8222;Luther 2017 – 500 Jahre Reformation&#8220; der EKD in Wittenberg als Ansprechpartner zur Verfügung, die am 1. Oktober 2008 ihre Arbeit aufnahm. Beide Geschäftsstellen haben ihren Sitz in Wittenberg, was der reibungslosen und vertrauensvollen Zusammenarbeit von Staat und Kirche sehr zu gute kommt. Der Standort illustriert im Fall der EKD in besonderer Weise ein starkes Bekenntnis zu Wittenberg als Zentralort des Reformationsjubiläums – ein Beleg auch für die (Wieder-)Entdeckung Wittenbergs durch die Evangelische Kirche in Deutschland.<br />
Ein Jubiläum, das thematisch und strukturell so komplex wie das Reformationsjubiläum ist, bedarf eines Vorlaufs, in dem neben der konzeptionellen Arbeit an den Inhalten auch die Vorbereitung der nationalen und internationalen Öffentlichkeit durch Werbung und touristisches Marketing erfolgen sollte. Ein solcher Vorlauf kann mit der willkürlichen Setzung eines Zeitraums vielleicht fünf Jahre vor dem Festanlass beginnen, oder er kann ein historisches Datum aufgreifen, das in qualitativer Verbindung mit dem Jubiläumsdatum steht. Der Thesenanschlag am 31. Oktober 1517 markiert den Abschluss der vorreformatorischen Wittenberger Jahre Luthers. Er ist überdies die öffentliche Artikulation der Entwicklung hin zum Reformator, deren Peripetie im Turmerlebnis ihren biographischen Ort besitzt. Luthers Wittenberger Jahre beginnen mit dem Wintersemester 1508/9, also im September 1508. Dieses Datum, um 500 Jahre auf September 2008 verschoben, bildete demnach einen passenden Startpunkt für eine Vorbereitungszeit, die zehn Jahre umfasst (zumindest in der Zählweise des 16. Jahrhunderts, die das Ausgangsjahr immer mitzählt), also den Zeitraum von September 2008 bis Oktober 2017. Damit konnte zudem die zahlenmagische Dekadenstruktur aufgegriffen werden. Das Konzept der vorbereitenden Dekade wie auch ihre zeitliche Festlegung mit den beiden Wittenberger Daten September 1508 – 31. Oktober 1517 wurde von den Wittenberger Akteuren erarbeitet, so dass folgerichtig die Vorbereitungszeit auf das Reformationsjubiläum am 3. Septemberwochenende 2008 in Wittenberg gestartet wurde.</p>
<div id="attachment_1133" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a class="thickbox" href="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/06/wartburg_lutherstube.jpg" target="_blank"><img class="size-medium wp-image-1133" title="Wartburg_Lutherstube" src="http://kulturerbethueringen.files.wordpress.com/2011/06/wartburg_lutherstube.jpg?w=300&#038;h=220" alt="" width="300" height="220" /></a><p class="wp-caption-text">International bekannt: die Lutherstube auf der Wartburg bei Eisenach.</p></div>
<p>Der zunächst eher lokal fokussierte Einstieg in die Vorbereitungsphase des Reformationsjubiläums sollte sich mit überraschendem Tempo zu einem bundesweiten, ja internationalen Ereignis entwickeln, vor allem seitdem die Zusagen des Bundesinnenministers zu einem Grußwort, des Ratsvorsitzenden zur Festrede und des Präsidenten des Lutherischen Weltbundes zur Festpredigt vorlagen. Ein großes Ausrufezeichen wurde gesetzt, das viele Erwartungen weckte. Die Eröffnung der Dekade behauptete Grundlinien und setzte diese auch um, die für die Initiatoren vor Ort, insbesondere für die beiden Geschäftsstellen, den Anspruch ihrer Arbeit umreißen: Das Reformationsjubiläum 2017 soll nicht national, nicht ausschließlich historisch, nicht konfessionell verengt gestaltet und gefeiert werden; es soll vielmehr von Internationalität, prospektiver Diskursivität und Ökumenizität charakterisiert sein &#8211; auch und gerade im Kontrast zu früheren Reformationsjubiläen.<br />
Um später einmal den ‚Erfolg‘ der Dekade beurteilen zu können, müssen zunächst die Erwartungen geklärt werden, die an diese Vorbereitungszeit wie auch an das Jubiläum selbst geknüpft werden. Hier werden unterschiedliche Akteursgruppen naturgemäß unterschiedliche Zielvorstellungen mitbringen.</p>
<p>Damit die Dekade sich nicht nur als nützlicher Rahmen für Bau- und Marketingmaßnahmen erweist, braucht sie eine innere Struktur, um ihren Sinn zu vermitteln. Sie verlangt nach einem &#8222;langen Atem&#8220;, der die öffentliche Aufmerksamkeit aufrecht erhält und mit Blick auf 2017 sogar noch steigert. Notwendig ist also eine Dramaturgie, die es versteht, einen Spannungsbogen für die gesamte Dekade zu entwickeln und zu entfalten. Dabei setzen die Jubiläumsjahre im Kontext der Reformation erste Pflöcke, so etwa der 500. Geburtstag Calvins 2009, der 450. Todestag Melanchthons 2010, im weiteren Sinn der 800. Geburtstag des Leipziger Thomanerchors 2012 und der 500. Geburtstag Lucas Cranachs d. Jüngeren 2015. Die Gefahr eines solchen Jubiläumshoppings sollte gleichwohl mitbedacht sein: Jedes Jahr beansprucht ein in sich stimmiges thematisches Profil und eine Jahresdramaturgie mit Höhepunkten, so dass insbesondere durch die Themenschwerpunkte mit historischen Bezügen auf die Zeit nach 1517 der Vorbereitungscharakter der Dekade unscharf wird. Allerdings bietet ein zeitversetztes Mitgehen mit Luthers Leben und Werk von 1508 bis 1517 mit Ausnahme der Romreise nur wenige Abwechslungen und Ereignisse. Als Vorbereitungszeit auf den 31. Oktober 1517/2017 lädt die Dekade zur Auseinandersetzung mit den 95 Thesen ein, deren textlichen Sprengstoff es noch zu entdecken gilt. So bieten ihre Formulierungen vielfältige Anlässe zum Weiterdenken, etwa ihr Anfang &#8222;Aus Liebe zur Wahrheit&#8220; oder &#8220; …den Armen zu geben ist besser&#8220;, &#8222;… man muss lehren&#8220;, &#8222;… und ist kein Friede&#8220;, &#8222;… befreit und selig werden&#8220; bis hin &#8220; … der wahre Schatz&#8220;, um über Wahrheit und Wahrheiten, Verteilungsgerechtigkeit, Allgemeinbildung und Orientierungswissen, Streitkultur und Zivilcourage, Bindung und Freiheit oder über die Ökonomisierung des Lebens, des Glaubens und der Hoffnung ins Denken und ins Gespräch zu kommen. Konsens fand schließlich eine transparent-griffige Struktur, die herausragende Jubiläen mit Themen verbindet, beziehungsweise zentrale Themen an Jubiläen knüpft. Der von den beiden Geschäftsstellen herausgegebene Flyer zu den Themenjahren der Lutherdekade illustriert diese Pendelbewegung zwischen Anlass und Thema und verspricht einen verlässlichen Fahrplan auf aktuellen Gleisen samt historischem Geländer:</p>
<p>1508 kommt der Mönch Martin Luther nach Wittenberg. 1517 veröffentlicht er seine berühmten 95 Thesen. Die Reformation beginnt. In der Lutherdekade 2008–2017 wird das weite Themenspektrum der Reformation in Themenjahren aufgenommen und entfaltet. So wird zum einen an die historischen Gedenkjahre (450. Todestag Melanchthons 2010 oder der 500. Geburtstag Lucas Cranach d.J. 2015) angeknüpft. Zum anderen nimmt die Lutherdekade Impulse der Reformation auf, die bis in unsere heutige Zeit reichen.</p>
<ul>
<li>2008 Eröffnung der Lutherdekade</li>
<li>2009 Reformation und Bekenntnis: Calvin gilt als ein Gründungsvater des reformierten Protestantismus mit weltweit circa 80 Millionen Mitgliedern. Zu Calvins 500. Geburtstag rücken unter anderem sein Kirchenverständnis und seine Wirtschaftsethik in den Fokus. Wegweisend bis heute ist auch das Bekenntnis der Barmer Theologischen Erklärung vor 75 Jahren.</li>
<li>2010 Reformation und Bildung: Der 450. Todestag Philipp Melanchthons, des &#8222;Praeceptor Germaniae&#8220; (&#8222;Lehrer Deutschlands&#8220;), lädt zur Auseinandersetzung mit den Bildungsimpulsen der Reformation ein: Demokratisierung von Bildung, Einheit von Glaube und Bildung sowie Grundlegung von Allgemeinbildung.</li>
<li>2011 Reformation und Freiheit: Der mündige Christenmensch steht im Mittelpunkt der Reformation. Mit der Taufe ist das allgemeine Priestertum aller Glaubenden verbunden. Der aufrechte Gang unter Gottes Wort und zugleich die solidarische Hinwendung zum Mitmenschen sind die beiden Pole reformatorischer Freiheit.</li>
<li>2012 Reformation und Musik: Die Reformation legte einen Grundstein der europäischen Musikkultur &#8211; vom Gemeindegesang bis zur Hausmusik. Dafür stehen Komponisten wie Bach, Schütz, Telemann und Händel, aber auch der Leipziger Thomanerchor, der 2012 sein 800-jähriges Bestehen feiert. Es gilt, diese reiche Tradition lebendig zu halten und neue Wege zu erproben.</li>
<li>2013 Reformation und Toleranz: Ökumenische Gemeinsamkeit ohne nationale und konfessionelle Begrenzung &#8211; das ist eine Anspruch der Lutherdekade 450 Jahre nach Abschluss des Konzils von Trient (1563) und der Formulierung des Heidelberger Katechismus sowie der Leuenberger Konkordie vor 40 Jahren als Zeugnis der innerprotestantischen Ökumene. Dabei dürfen die intoleranten Seiten der Reformation nicht verschwiegen werden.</li>
<li>2014 Reformation und Politik: Obrigkeit und Mündigkeit, Glaube und Macht, Gewissensfreiheit und Menschenrechte &#8211; das sind Themen der Reformation und zugleich der Gegenwart, die eine breite Diskussion in Kirche und Gesellschaft verdienen.</li>
<li>2015 Reformation – Bild und Bibel: Anlässlich des 500. Geburtstages des jüngeren Cranachs kommt die Kunst der Reformationszeit in den Blick. Die Reformation war auch eine Medienrevolution. Eine neue Wort- und Bildsprache entstand. Welche Bilder findet der Glaube heute und wie wird diese Botschaft durch Medien, Bild und Sprache vermittelt?</li>
<li>2016 Reformation und die Eine Welt: Von Wittenberg ging die Reformation in die Welt. Über 400 Millionen Protestanten weltweit verbinden ihre geistig-religiöse Existenz mit dem reformatorischen Geschehen. Am Vorabend des Reformationsjubiläums werden die globalen Prägekräfte im Mittelpunkt stehen.</li>
<li>2017 Reformationsjubiläum: Im Jubiläumsjahr &#8222;500 Jahre Reformation&#8220; steht Luthers Erkenntnis der &#8222;Rechtfertigung aus Gnade&#8220; im Mittelpunkt und wird weltweit mit kirchlichen und kulturellen Veranstaltungen, Tagungen und großen Ausstellungen gefeiert werden &#8211; Höhepunkt der Lutherdekade, jedoch nicht das Ende der Begegnung mit Luthers Leben und Werk.</li>
</ul>
<p><em>Dr. Stefan Rhein ist Leiter der Geschäftsstelle „Luther2017“.</em></p>
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