Kultur des Sinnlichen

Ausstellung im Schiller-Museum Weimar und Forschungsprojekt

von Robert Eberhardt

Foto: Caren-Maria Jörß © Klassik Stiftung Weimar

Was verstehen wir eigentlich genau unter der epochalen Kunstperiode, die wir „Weimarer Klassik“ nennen, als deutsches Kulturgut erster Klasse bewahren und (teils) ehren? Meist ein eng definiertes Destillat, nämlich das Schrifttum, die literarischen und philosophischen Texte der großen Denker und Dichter der sogenannten Sattelzeit um 1800. Also Ideen, in Schrift und Druck zur Materie gebunden und weitergereicht. Mehr

Glücksburg mit DDR-Charme

Schöner könnte eine Burg nicht heißen: ein Besuch in der „Glücksburg“ in Römhild, in der leergefegten Südspitze Thüringens.

von Robert Eberhardt

Keine Industrieanlagen stören das Bild, die Landschaft ist weit, die geschwisterlichen Gleichberge wachen als Patrone über die Gegend und ein idyllisches und wenig dicht besiedeltes Thüringen zeigt sich hier wie nirgendwo sonst. Römhild im Kreis Hildburghausen liegt abgeschieden, auch nachdem die einst sich an die Stadt anschließende Sperrzone der innerdeutschen Grenze nicht mehr existiert. Viele wenig bekannte Sehenswürdigkeiten lassen sich in diesem Landstrich erkunden, darunter das Heimatmuseum „Glücksburg“ in der Mitte des Ortes. In einigen Räumen lebt immer noch DDR-Charme, doch ist das in den Mauern beherbergte Museum eine wahre Fundgrube für in dieser Abgeschiedenheit nicht erwartete Objekte. Mehr

Ein kleines Schloss im Zentrum Europas

Der „Musenhof Löbichau“ versammelte Künstler und Politiker in der Thüringer Provinz

von Marlene Hofmann

Historische Ansicht des Schlosses Löbichau – Quelle: Museum Burg Posterstein

Zar Alexander I. von Russland war einmal zu Besuch, Johann Wolfgang von Goethe ebenfalls. Der Dichter Jean Paul blieb 1819 gleich mehrere Wochen, das Schriftstellerpaar Christoph August Tiedgke und Elisa von der Recke gehörten zu den Dauergästen. Zahlreiche illustre Besucher kamen zwischen 1795 und 1821 die Löbichauer Sommerresidenz der Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821), darunter viele Künstler und Politiker, adelige wie bürgerliche. Die weltgewandte Dame verfügte über hervorragende Kontakte in die höchsten gesellschaftlichen Kreise Europas. Im Laufe der Jahre war sie Gast an den Höfen in Berlin, Warschau, Neapel, St. Petersburg, Wien und Paris, eine Privataudienz beim Papst nicht zu vergessen. Ihr Löbichauer Schloss lag aus damaliger Sicht günstig, wenn man sich auf dem Weg von Berlin nach Wien oder von Paris ins schöne Karlsbad befand – und Gäste waren dort immerzu willkommen. Mehr

Stromausfall im Bauhaus

Ein Kunstabenteuer

von Kathleen Heimrich

„Verzeihen Sie, wenn ich störe, aber was machen Sie denn in dieser Kiste? Sie gehören doch in den Küchenschrank!“ stellt Paul fest und richtet seine Frage an eine Kaffeekanne mit Goldrand, welche er im Keller des Bauhaus findet. Paul ist der Sohn des Hausmeisters im Bauhaus und geht während eines Stromausfalls mit seiner Taschenlampe auf Entdeckungsreise durch die Kellerräume der Kunsthochschule. Hier trifft er auf zahlreiche ausgesonderte Dinge, die ihm immer wieder erklären, dass sie für diese neue Kunstrichtung nicht „funktional“ genug sind. Mehr

Von Friseurstühlen, Amviehtheatern und den Festspielen bei Reuth

Kulturelle Entdeckungen im Thüringer Osten

von Stefanie Kießling

Weimar, Erfurt und die Wartburg – wer durch das kleine Thüringen reist, ist schnell fertig? Weit gefehlt! Hier glänzen und schlummern kulturelle Schätze dicht an dicht: Burgen, Schlösser, Landschaftsparks, Kirchen, Rittergüter oder technische Denkmäler. Doch mit ihnen ist es wie mit den Menschen – manche rücken prachtvoll, frech und keck in den Vordergrund, andere wollen entdeckt und erobert werden. Gut, wenn da ein kompetenter Kulturführer alle gleichberechtigt in den Blick nimmt. Einer? Thüringens Kultur ist so reich, dass sie gar nicht zwischen zwei Buchdeckel passt, sondern mehrere Bände füllt. Mehr

Athen an der Saale

Dichter und Gelehrte über Jena und seine Universität

von Robert Eberhardt

Das von Günter Schmidt herausgegebene Lesebuch möchte Texte aus allen Epochen versammeln, die sich der alten thüringischen Universitätsstadt, dem „Saale-Athen“, widmen und aus ihrer bewegten Geschichte berichten. Dafür wurde der Fokus recht weit gefasst und wir finden offizielle Schreiben ebenso wie persönliche Erinnerungen aus dem Alltäglichen oder Berichte aus Krisen- und Katastrophenzeiten. Ein Mindestmaß an sprachlicher und literarischer Qualität eint die Beiträge. Dass Jena nach Weimar die am häufigsten beschriebene Literaturstadt Thüringens ist und daher nur einige Fixsterne präsentiert wird, gibt der Herausgeber einleitend zur Kenntnis. Trotzdem ist ein Kompendium aus mehr als 130 Beiträgen entstanden, das Jena von vielen Perspektiven aus beleuchtet. Mehr

„Gut kann nur sein, was mit Liebe getan wird.“

Die Meininger Museen erinnern an eine stadtbekannte Größe der Porträtfotografie – Carola Abel

von Kathleen Heimrich

Carola Abel bei der Arbeit, aufgenommen von einem unbekannten Fotografen

Wer heute ein besonderes Porträt von sich anfertigen lassen möchte, hat die berühmte Qual der Wahl. Unzählige Ateliers und Studios bieten ihre Dienste an, und sogar der Hobbyfotograf aus dem Freundeskreis beweist sichtbares Talent. Vor etwa 40 bis 60 Jahren fiel diese Entscheidung zumindest in Meiningen leichter. Ein Porträt der Fotografin Carola Abel war und ist bis heute etwas Besonderes. Jedoch war nicht immer gewiss, ob man das von der Lichtbildnerin geschossene Porträt am Ende auch wirklich bekam. Mehr

Luthers Schmalkaldische Artikel

von Prof. Dr. Siegfried Hermle

Die von Reformatoren unterschriebenen Schmalkaldischen Artikel von 1537

Die Schmalkaldischen Artikel sind bis heute Bekenntnisschrift der Evangelischen Kirche. Der folgende Text (die Wortfassung eines Vortrags, der am 3.9.2011 in Schmalkalden gehalten wurde) führt die Voraussetzungen vor Augen, die zum Verständnis jener Vorgänge unabdingbar waren. Dies erfolgt in drei Abschnitten: Erstens ist die Frage nach einem Konzil in der Reformationszeit zu klären, zweitens wird der Schmalkaldische Bund selbst näher zu betrachten sein und drittens wird der Bedeutung Luthers in aller Kürze nachzugehen sein. In einem zweiten Teil werden dann die unmittelbare Vorgeschichte und der Verlauf des Bundestages vom Februar 1536 vorgestellt sowie zwölf Spuren zu den Schmalkaldischen Artikel gelegt. In einem Schlussteil soll schließlich die aktuelle Bedeutung jener Vorgänge nachgegangen und gefragt werden, inwieweit diese vor ziemlich genau 475 Jahren statt habenden Ereignisse uns noch heute betreffen und Impulse geben können. Mehr

Interdisziplinäres Symposium „Bach als Lutheraner“

24.-28.02.2012 in Eisenach, veranstaltet von der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen

von Anja Conrad

Das im Jahr 2017 anstehende Reformationsjubiläum wirft seine Schatten weit voraus. Seit 2009 wird mit jährlichen Schwerpunktthemen auf das anstehende Großereignis aufmerksam gemacht, so dass auch das Jahr 2012 unter dem Thema „Reformation und Musik“ an musikalischen Veranstaltungen sicher nicht darben wird. – Warum also noch eine Veranstaltung zu diesem Thema, zu Luther und Bach? Mehr

Berlin als “Deutschlands Paris” – oder doch eher Weimar?

von Prof. Dr. Hans Ulrich Gumbrecht

Hans Ulrich Gumbrecht, Professor in Stanford

Kann Weimar nichts anderes sein als ein historisches Freilichtmuseum, von dessen provinziellem Rhythmus man sich als entsprechend gestimmter Bildungstourist gerne in die Zeit von Goethe, Schiller und Wieland tragen lässt? Was gäbe es für die kulturelle Zukunft Deutschlands von Weimar zu lernen? Und welche Alternative bietet es zu den hauptstadtzentristischen Tendenzen unserer Gegenwart? Darüber denkt Hans Ulrich Gumbrecht im folgenden Beitrag historisch und anregend nach. Mehr

In der Fremde Brücken bauen

Johann August Röblings Reise in den Ruhm (Hrsg. von Iris Roebling)

von Stefanie Kießling

Wer die Heimat verlässt, bricht oft so manche Brücke hinter sich ab. Der Thüringer Ingenieur Johann August Röbling (später John Roebling) machte es umgekehrt – er wanderte 1831 von Mühlhausen nach Amerika aus, und begann dort den Bau einer der berühmtesten Brücken der Welt: die Brooklyn Bridge in New York. Damit hat er für die Stadt, ja für die Welt ein Wahrzeichen geschaffen. Diese Brücke steht symbolisch für New York und Amerika, versinnbildlicht den technischen Fortschritt und die Freiheit. Wie passend, war es schließlich der Wunsch nach Freiheit, der Röbling in die Ferne trieb. Mehr

Der Geist der Goethezeit im World Wide Web

Internetseite www.goethezeitportal.de informiert über bedeutende Periode der deutschen Kultur- und Literaturgeschichte

von Patrick Peters

Logo des Goethezeitportals

Als zeitlich fixierte Periode, die sich an der Schaffenszeit Johann Wolfgang Goethes von circa 1770 bis zum Tod des Meisters 1832 erstreckt, nimmt die Goethezeit innerhalb der deutschen Literatur- und Kulturgeschichte eine besondere Stellung ein: Diese rund 60 Jahre umfassen drei der künstlerisch produktivsten und hochwertigsten Epochen der deutschen Geistesgeschichte – die Aufklärung mit der Strömung des Sturm und Drang, die Weimarer Klassik und die Romantik. Sie haben eine lange Reihe hochkarätiger Werke der nationalen und Weltliteratur hervorgebracht – etwa Goethes Werther, Schillers Wallenstein und Heines Loreley, um jeweils nur einen Text aus jeder der drei Gattungen zu nennen – und versammeln eine Vielzahl an Autoren, die zu den besten Deutschlands, ja der Welt gehören. Mehr

Italienische Renaissance in Thüringens Osten

Lindenau-Museum Altenburg und seine Sammlung früher italienischer Malerei

von Robert Eberhardt

"Lorenzo Monaco: Flucht nach Ägypten, um 1410

Besorgt schaut Joseph, den zahmen Esel am Seile führend, zurück: zu Maria, zu seinem Sohn. Die heilige Familie zieht durch einen düsteren Wald. Sie ist auf der Flucht nach Ägypten. In einer intensiven Farbigkeit hat Lorenzo Monaco aus Siena als Vertreter des „Weichen Stils“ diese Szene in ein gotisch gerahmtes Bildfeld gemalt, die Figuren gekonnt angeordnet und in eine dunkle, geheimnisvoll wirkende Umgebung gestellt. Die Farbintensität unterstreicht das Immaterielle, das Sakrale der Begebenheit. Das um 1410 entstandene Gemälde ist einer von vielen Schätzen des Lindenau-Museums in Altenburg. Mehr

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